Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-29724
Die 
Kunst. 
dstreichische 
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halb ist nach der staatlichen Trennung nur die engste Allianz 
möglich und räthlich, wie für beide Theile gleich vortheilhaft. 
Jener Gemeinsamkeit der Bildung ist es zu danken, das; 
man heute wohl mit dem vollsten Recht behaupten kann, wie 
nie und zu keiner Zeit eine Ausstellung östreichischer Kunstwerke 
ein auch nur halb so glänzendes Bild geliefert habe, als die 
jeYige. Man trifft ans ihr eigentlich nur einen einzigen Namen, 
auf den wir als Deutsche keine Ansprüche zu machen haben, 
obgleich auch dieser seine Bildung in Wien empfangen, wie 
seine Landsleute Brandt, Gierymski, Kurella u. a. m. in 
München. 
Nichts desto weniger find gerade seine Bilder die blendendste 
Erscheinung in den östreichischen Sälen. Wer sie besucht hat, 
weiß auch schon, daß ich von Matejko spreche. Sie wären es 
unstreitig nicht, wenn es dem glänzendften Talent der Deutsch: 
östreicher, Makart, beliebt hätte, die Catharina Cornaro statt 
im Künstlerhause auf dem Prater auszustellen und jenem dort 
den ersten Platz, zu überlassen. Aber auch dann noch würden 
diese Schöpfungen einen hohen Rang einnehmen. Würden sie 
es doch in der ganzen Weltt 
Es sind deren sechs oder sieben, vielleicht entdecke ich ohne 
Katalog, wie ich es jetzt muß, sogar noch mehrere, darunter 
vier große Historienbilder mit lebensgroßen Figuren, das Uebrige 
Porträits. 
Beginne ich die Beschreibung der ersteren, da es doch 
heraus muß, lieber gleich mit dem Geständniß, daß sie mir bei 
weitem nicht so imponirt haben, als jener polnische Reichstag, 
der jetzt im Belvedere hängt, auf der Pariser.  Und zwar 
das letzte, der Copernicus, welcher auf feiner Sternwarte die 
Entdeckung des Weltsystems oder sonst eine derartige macht, am 
allerwenigsten. Jch würde Matejko in diesem dürren, harten 
und reizlosen Bild kaum iviedererkannt haben, so sehr hat hier 
seine Formengebung von jener großartigen Plastik, jenem Styls 
gefühl, die ihren Hauptreiz ausmachten, verloren, ist oft fast 
Nach und genreartig geworden. Während sein Realis1nus dort 
durch das Grandiose der Auffassung, durch das glühende Pathos 
einer edeln leidenschaftlichen Liebe zum Vaterlande geadelt wurde, 
jedenfalls selbst wo er über die Linie des Schönen hinausging,
        

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