Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-29586
in1ernationale 
Der 
OlymPs 
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nur wenig Liebe kennti Noch bemerkenswerther aber ist, das; 
die Franzosen und nach ihnen die Belgier die einzigen sind, 
die sich ins Reich des Jdeals geslüchtet haben is ein sicheres 
Zeichen, daß einem die Welt, wie sie sich gerade gestaltet, ein 
wenig verleidet sei.  Ueberdiesz haben die ersteren, groß: 
müthig wie sie find, die Beglückung der Sterblichen, die from: 
meu Belgier aber gar die Reinigung des Himmels durch den 
Sturz aller bösen Engel übernommen, ein Geschäft, das auf 
der Erde vielleicht nicht minder dankenswerth wäre.  
Jhrer Verschwendung von Nächstenliebe halber, lasse ich den 
Franzosen auch den Vortritt. Es ist Cabanel, der sich derselben 
in einem riesigen Deckengemälde schuldig macht, welches, wenn 
ich es recht verstanden, die Ankunft des Frühlings allerdings 
nicht auf, sondern in den Wolken über der Erde darstellt. So 
glaube ich wenigstens jeHt bei näherer Untersuchung, denn an: 
längs meinte ich die Allegorie stelle Frankreich dar, wie es die 
Wohlthaten seiner Civilisation an die Welt spendet, da zu oberst 
in einem Strome von Licht ein schneiderartiger Kerl kömmt, der, 
die Fackel in der Hand, ihr mit einem graziösen pas offenbar 
ein Licht darüber aufsteckt, welche Hosen sie tragen soll, und 
ihm unmittelbar eine langhalsige Modistin in einem himmlischen 
Fiaker folgt, die ihre parfümirten Rosen und Bonbons an alle 
Welt spendet, während hinter ihr in langem Zuge das ver: 
ehrungswiirdige Publikum des jardin mabile in idealer oder 
auch gar keiner Tracht daherschwebt, um seine civilisatorische 
Mission durch Unterweisung der Menschheit in seinen bekannten 
graziösen Tänzen zu vollenden. Ich glaubte mich zu solcher 
Vers1on um so mehr berechtigt, als diese drei Faktoren,  
Zephyr, den schalkhaften Haarkräusler, hätte ich beinahe ver: 
geJen  hauptsächlich unsere französische Bildung darstellen, 
und als ich mitten unter dem leichtgeschürzten Chor der beine: 
schlenkernden Grisetten den nnsterblichen Dichter der ,,pu9e8 
tko.vailleuses4  nicht doch, der ,,travaille11ks de la a1erU 
sss in vorderster Reihe zu entdecken meinte, .,ihn, den großen 
Victor, der uns bei einem Haar allein aufgefressen hätte. 
Ich habe mich geirrt, und stehe nicht an, es feierlich zu 
bekennen. Es ist kein Schneider, sondern der Licht und Wärme 
fPendende Phöbus selber, der den Reigen eröffnet, und nicht
        

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