Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-32110
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Orient. 
Der 
keinen Eindruck des Schönen hervorbringen, sie müßten etwas 
vorstellen, hier könnten sie Ich sammt uiid soiiders3 vom Gegen: 
theil überzeugen, bei diesen gemalten ,,Liedern ohne Worte.U 
 Auch schön gepreßte Papiere mit Goldornamenten sieht man, 
die auch hier den Grundsatz der systematischen Unregelmäßigkeit 
festhalten. Es kommen dann eine Reihe Kästchen mit regel: 
mäßig mosailartiger, aber so kleiner und feiner Qrnamentik, 
daß man ebenso wenig erräth, wie das gemacht ist, als weß: 
halb es so merkwürdig zart wirkt. 
 Verdankt die ganze Ornamentik des Orients ihren wunder: 
bar fascinirenden Eindruck lediglich dem sie durchaus charakteri: 
sirenden System, alle großen Formen und Farbflecke in oft 
unendlich kleine aufzulösen oder aus solchen zusammen zu setzen, 
wie ja die Gothik diesem im Orient adoptirten System lediglich 
ihre Popularität wie ihren geheimnifzvollen mystischen Reiz ver: 
dankt, so sehen wir es hier, wie bei dem Porzellan, auf die 
Spitze getrieben. 
Natürlich wiederholt es sich bei den Seidenstoffen und hier 
oft mit so bezauberndem Reiz, daß ich niemals so in Ver: 
suchung war, Einkäufe zu machen, als bei dieser verführerischen 
Pracht, von der man nur Abschied nimmt, um sie immerfort 
als. Jdeal einer durchaus einseitigen, aber hier auch das denk: 
bar Höchste leistenden Richtung mit sich im Gedächtnis; fort: 
zutragen. 
Wenn man sich nun aber einbildet, dies; sei bei uns nicht 
mehr zu erreichen, so muß man dem direkt widersprechen. Es 
ist im Gegentheil sehr wohl zu erreichen, nur muß man es erst 
:oerstehen, im Stande sein, sich Rechenschaft über die Mittel zu 
geben, mit denen diese bewunderungswitrdigen Wirkungen er: 
zielt sind. Leider muß man sich sagen, daß zwei Drittel  
nein gis neun Zehntel unserer Fabrikanten, dies; absolut nicht 
im Stande, ja gar nicht fähig seien, den Reiz nur zu fühlen. 
D8TgkEkÖsU läßt sub aber lernen, und möge nur jeder erst ein: 
mal anfangen, nur nicht so wie manche deutsche Museums: 
direktoren, die mit ihren Ankäufen allemal gerade das Härtere, 
weniger Gute treffen. Jedenfalls empfehle ich den Herrn das 
möglichste Studium, etwas werden sie immer dabei heraus: 
kriegen.
        

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