Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-31889
von ihrem feinen coloristischen Sinn, der sich ja in allem aus: 
spricht, und in dem uns die Japanesen und Chinesen sogar 
sehr weit übertreffen, anzueignen. Der feine Geschmack ist über; 
haupt etwas, was man sich durch Studium, aber freilich nicht 
aus Büchern, sondern auf Museen und Ansstellungen wie hier 
sehr wohl aneignen kann. Nur nicht, wenn man ein hoch: 
müthiger Esel ist, der nichts mehr lernen zu können glaubt. 
Unter den Bronzen sind nur etwa sechs oder acht treffliche 
Figuren, deren Autor aber bis heute nicht herauszubringen 
war, unter den übrigen eigentlich nur die Luftres von Bedeu: 
stung. Stobwafser und Cie. bringen sehr patriotisch gefinnte 
aber herzlich schlecht gcformte Vafen, Rakenius gar eine Schild. 
kröte in vierfüßiger Lebensgröße, sonst nicht eben viel Beson: 
deres. Weitaus das beste und vollkommen concurrenzfähig sind 
allein die Lustres und Candelaber von Spinn und Sohn, 
Schäfer und .Walker, Kramme, alle in Berlin, auch die Gas: 
apparat: und Gußwerkgesellschaft in Mainz hat sehr gute Lustres, 
Wild und Wesel einige hübsche Lampen. Einige elegante Uhr: 
gehäuse, aber höchst wahrscheinlich französischer Fabrikation, bringt 
die Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation in Lenzkirch CSchwarz: 
tvald.I  
Ohne Zweifel sind alle diese Gebrechen, die ich hier ge: 
tilgt, zum nicht geringen Theil eine Folge davon, daß unserer 
Kunstindustrie die Unterlage eines realen Bedürfnisses noch viel 
zu sehr fehlt, daß das meiste von dem, was man hier steht, 
nur Versuche find von Leuten, denen es weder an Talent noch 
Geschick, aber durchweg an jener Uebung fehlt, die nur. große 
Aufgaben geben können. So lange man diese Dinge bei uns 
nicht in viel größerem Maße confumirt, wird man sie auch 
nicht viel besser produciren, denn der Betreffende hat ja fast 
nie Gelegenheit, seine Fehler zu corrigiren. Seit man in 
München zehnmal mehr malt als vor dreißig Jahren, malt man 
auch zehnmal besser.  Daß ein Makart, rasch, noch in der 
frischesten Jugend so viel Ruf erhielt, daß ihm große Auf: 
gaben zuwuohfen, das befähigte ihn allein, jeht mit seiner 
Catharina Cornaro alles zu überbieten, was vielleicht in diesem 
Jahrhundert an coloristischer Brillanz geleistet worden, es einem 
Delacroix nicht nur vollkommen gleich zu thun, sondern ihn
        

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