Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-31443
Architektur. 
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bezweifeln dürfte. Daß dies; aber ein Gebäude für Unterricht 
sein muß und zwar für solchen der höchsten Art, ist vollkommen 
ausgesprochen. 
Zwischen diesen ganz gewaltigen Nachbarn wird sich das 
Stadthaus Schmidts trotz seiner ungeheueren Größe doch sehr 
zu wehren haben, wenn es nicht erdrückt werden soll. Vielleicht 
erhöht aber auch jedes der in so ganz verschiedenen Formen 
erbauten Gebäude die Wirkung des anderen. In seinen halb 
der italienischen Gothik und halb der Renaissance angehörigen 
Formen zeigt das Rathhaus jedenfalls weniger Härte und Sprö: 
digkeit,X ist sein Ernst ein Guttheil freundlicher, als es dem be: 
rühmten Architekten sonst gelingt. Das; es aber ein greller 
Widerspruch bleibt, der behaglichen, genuszlustigen Wiener Bürger: 
schaft, für welche die Formen der an die Barockzeit anstreifens 
den Renaissance einzig nnd allein entsprechend sein könnten, ein 
gothisä;es Gehäuse, wie gemildert und glückliih erfunden auch 
immer, zu octroiren, das muß schon unbestritten bleiben. Der 
fcnstere Ernst der Gothik, der sie für moderne Zwecke so un: 
brauchbar macht, ist überhaupt nur durch Farbe und Vergol: 
dung, wie sie der Dom in Orvieto oder Palazzo Cadoro in 
Venedig anwenden, aufzuheben. 
Wir finden nun noch eine Menge von mehr oder weniger 
talentvollen Projekten durch Ziteck, Hlawka, Schill, Wurm und 
Andere, deren bloße Aufzählung aber uns schon zu weit führen 
würde. 
Von München habe ich bis jeyt nichts entdeckt als die 
hübschen Entwiirfe des Wieners Hauberisser, speciell zu einem 
Universitätsbau und einem andern Justitut in Graz, so wie 
hübsche Projekte von Schulze und Kaffka, nnd ein recht guter 
für ein Soolbad in Neustadt a. d. H. von Geul.    
Die Berliner Architekten haben drei große Modelle gebracht, 
des Nationalmuseums nach Stüler, das hier wenigstens einen 
sehr unglücklichen Eindruck hervorbringt, dann der Hit,zig7sdhen 
Börse, die viel befriedigender erscheint, aber sich in ihrer Mich: 
ternheit mit der Hansen7sihen noch lange nicht messen kann, 
endlich des Theaters in Frankfurt von Lucä, das noch am 
gelungensten aussieht, obwohl auch da der Bedenken genug 
auftauchen.
        

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