Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-31378
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Die Sculptur5 
zum.Starrköpfigen glücklich ausspricht. Dabei ist die Silhouette 
von allen Seiten schön, ja selbst das Rückenmotiv des Mantels 
ist noch sehr grandios. Leider ist diese beste Monnmentalsigur 
der ganzen Ausstellung so unglücklich zwischen der Rotunde und 
dem abscheulich unruhigen Lattenwerk unseres deutschen Pavillons 
als Hintergrund eingeklemmt, das; sie nirgends gut beleuchtet 
ist, nirgends zu ihrem Rechte kömmt, obwohl in demselben Hof 
zwanzig zweckmäßigere Stellen zu fmden gewesen wären. Und 
wir haben es doch wahrhaftig nicht nöthig, das wenige Gute 
auch noch zu maskiren. 
Selbst Zumbuschs großes Monument des Königs Max 
leidet unter diesem widerwärtig unrnhigen Hintergrund des 
deutschen Annexes, diesem Meisterwerk, das die monumentalen 
Vorzüge eines Holzschuppens und eines Glashauses so geschickt 
vereinigt und durch den man unsere halbe Ausstellung zu ruiniren 
beliebte.  Jmmerhin macht aber die auf hohem, mit den 
kolossalen Figuren des Friedens und der Stärke, der Weisheit 
und Gerechtigkeit verzierten Postament,e stehende Figur des Königs 
einen imponirenden Eindruck und ist gut erfunden. Besonders 
glücklich ist der Totalaufbau des Ganzen und seine Silhouette 
svon fast allen Seiten, wo man höchstens die Figuren der Tugen: 
den vielleicht etwas zu groß für den König oder diesen zu klein 
für sie finden könnte. 
Jst die Figur des Königs, der offenbar gedacht ist, wie 
er eben das berühmte ,,ich will Frieden haben mit meinem 
VolkeE ausspricht, gut gedacht und fest gestellt, sind auch die 
personificirten Regententugenden schön erfunden, so wäre höch: 
stens eine stylvollere und strengere rhythmische Durihbildung 
der Gewänder zu wünschen ,iibrig an der hochachtungswerthen 
Arbeit, die gerade bei der erst kurz fertig gewordenen Figur 
der Stärke einen unverkennbaren Fortschritt des Künstlers in 
der Behandlung des Nackten zeigt, die bei der ersten, dem 
Frieden, für Bronzefiguren ein wenig flau erscheint.  Es 
war.mir dieszmal selber eine gründliche Lehre, da ich das all: 
mälige Entstehen des großen Werks zu beobachten Gelegenheit 
gehabt, jeHt zu sehen, wie nothwendig und wohlthätig die größte 
Strenge und rhythmisihe Durchbildung bei solcher monumens 
talen Aufgabe ist, wie alles gleich würdelos wird, wo sie fehlt.
        

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