Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-31289
Die Sculptuk. 
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aber strengen Grazie der Antike, wie wir dies; bei Hillebrandt 
in Florenz sehen oder auch wie die neuefte malerische Richtung 
bis zum graziösen Uebermuth des Nococo, aber selten, ohne 
dann nicht sowohl an keuscher Grazie als an edlem Ernst und 
Würde mehr zu verlieren, als an Lebendigkeit gewonnen wird. 
Bei den Franzosen dagegen findet man ein sehr überlegenes 
Naturstudium, besonders des Nackten, meist besseren lebendigeren 
Vortrag, der ihren Werken sogar oft den Hauptreiz gibt, wie beide 
zusammen besonders bei den Broncen, ja bei aller dekorativen 
Sculptur sehr häufig ausreichen, dem Product einen hohen, 
ganz absoluten Kunstwerth zu geben. Sie verbinden damit 
großes Lebensgefühl, aber auch forcirtes Wesen, Abwesenheit 
aller Naivität, übermäs3ige bis zum Zappelnden und zur Gri: 
Masse gesteigerte Bewegung und Mimik und einen merkwürdigen 
Mangel an eigentlicher Idealität, ja auch nur an Phantasie 
und Stylgesiihl, so daß man oft die nnglaublichsten Geschmack: 
losigkeiten mit der größten Bravour der Mache gepaart findet.  
Ich erinnere hier nur z. B. an die ,,Francett des Bourgeois 
vor der Kunsthalle, die sich in den Haaren kraHt mit der einen 
Hand und mit der andern eine Geberde macht, als wollte sie 
sagen: ,,seht, so kann es einem gehenlU Eigentlichssoll sie eine 
Pythia auf dem Dreifnsz vorstellen, man kömmt bei ihrem An: 
blick aber unwillkürlich sofort auf die Gallia von 1870. 
Mit diesen Eigenschaften brauche ich nicht auseinander zu 
setzen, das; die antikisirende Richtung die sdhwächste ist bei den 
Franzosen, und die naturalistische, besonders in den Bronzen, 
die stärkste ,ss ganz umgekehrt wie bei uns, wo die Rauch7sche 
und besonders die angeblich antikisirende, bei näherer Vetrach: 
tungcaber gerade urdeutsche Hähnel7sche Schule vorläufig trog 
allem Talent der mehr naturalistischen Richtungen im Ganzen 
jetzt doch noch gar sehr an acht kiinstlerischem Gehalt über: 
wiegen.  
Da die Sculptur aber mehr als jede andere Kunst aus 
die monumentale Richtung angewiesen erscheint, überdies; die 
Ausführung ihrer Modelle große Mittel verlangt, so ist unsere 
Production auf der Ausstel1ung besonders in einem Stücke in 
ungeheuerstem Nachtheile, der wiederum aufs.Genaueste mit den 
Zuständen, die ich schon bei der Malerei besprochen, zusammen;
        

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