Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-31255
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fTM1z5f1scbe Malerei. 
Die 
gis Herr Glaize hat offenbar das Unglück, das zu sein, was 
man einen denkenden Künstler nennt, eine Gattung, an der die 
Franzosen noch viel reicher sind, als wir, hier sieht er aber 
mehr wie ein Hanswurst aus.  Neben solch forcirtem und 
daher höchst unbehaglichem Zeug muthen zwei weitere Bildchen 
Feyens, Strandscenen mit außerordentlich charakteristisch und 
nett gemalter Fischerstaffage darstellend in ihrer Harmlofigkeit 
unendlich wohlthuender an. 
Damit bei der Landschaft angelangt, bleiben mir nun nur 
noch eine Anzahl meist gut und oft trefflich gemalter Produkte, 
von der historischen Gattung durch Corot, Paul Flandrin, 
Estan9elin, Franc;ais von der realistischen, durch Daubigny, Vater 
und Sohn, Chapy, Zicm, Jules Hereau, Bernier, Vernier, 
Hanotean zu erwähnen übrig. Daubigny ist auch jetzt noch 
immer der bedeutendste, seine Heimkehr vom Fischfang in Trou: 
ville ist von einer wahrhaft bewunderungswürdigensWahrheit 
und Feinheit des grauen Tons. Aber vor der düstern Poesie 
des Gude7fchen Sturmes müssen seine Fischer doch gar sehr die 
Segel streichen. Unstreitig genießt man aber die Franzosen in 
ihren Landschaften mit unendlich viel mehr Vergnügen, hat 
weit mehr Befriedigung, als von ihren Figurenbildern, wo 
einen das tendentiöse, gesuchte oder freche Wesen, die Abwesen: 
heit des klassischen Kunstgefühls bei so oft nahezu klaHischer 
Mache mit wenigen Ausnahmen immer wieder zurückstöszt, nie 
zum vollen Genuß kommen läßt. 
Dies; gilt natürlich auch vom Inhalt der vier großen Ka: 
binette, die erst in den legten Tagen eröffnet wurden. Darunter 
noch einige Bilder von Delacroix, der mich aber bei längerem 
Umgange fast ganz wie alle anderen Franzosen immer mehr ab: 
stößt. So eine Medea, im Begriff, ihre beiden Knaben um: 
zubringen, wo das manirirte rothe Fleisch wahrhaftig nicht für 
die schlechte Zeichnung und noch where Empfindung entschädigen 
konnte. s Sehr fein ist ein Jnterieur von Sebron, und eine 
große Landschaft von Rousseau muthet auf den ersten Blick wie 
ein wahrhaftiger Ruisdael an. Auf den zweiten aber gewiß 
nicht mehr, und ihr höchst manirirter und gezierter Pendant 
noch viel weniger. ss Ein Flußufer von Corot ist. hübsch ge: 
Pacht, aber seine Bilder mit ihren einförmig baumwollenen Bäumen
        

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