Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-30565
Die deutsche Malerei. 
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lichkeit, aber auch feinem ultrakonservativen halsstarrigen Sinn. 
Daß die aber eine Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft ab: 
geben, wie ihrer kein Staat in der Welt eine bessere und folidere 
hat, das sieht man freilich augenblicklid;. Wie ernst die Sache 
gemeint ist, das sehen wir nicht nur aus den funkelnden Augen 
der Männer, sondern auch daraus, daß sie ganz nüchtern be: 
rathen, kein Getränk vor sich haben. 
So viel für die Behandlung des Stoffes, aber das artistische 
Jnterefse überwiegt hier fast noch das ftoffliche, so grandios 
sind die Kerle gezeichnet, mit solchem Verständnis; modellirt. 
Dabei hat die Farbe eine Kraft und Klarheit, die Mache zeugt 
von einer geistreich großartigen Meisterschaft, daß nach dieser 
Seite hin weder Vautier und noch viel weniger Defregger sich 
gleicher Höhe derselben rühmen können; ja, daß ne absolut 
ihres gleichen in der ganzen Kunsthalle nicht mehr findet. Nur 
die Unterkörper, speziell die Beine halten mit der Vortrefflichkeit 
der Köpfe und Hände nicht ganz gleichen Schritt, sind etwas 
zu dürftig, wie es denn unzweifelhaft ist, das; so große Ueber: 
legenheit die deutsche Kunst in der Seelenmalerei und der Cha: 
rakteristik besitzt, die franzöftsche ne nach dieser technischen Seite 
einer gewissenhaften Durcharbeitung doch immer noch übertrifft. 
Nächst Knaus behauptet Vautier unbestritten den ersten 
Mag unter unsern Genremalern. Kälter, aber auch korrekter, 
weniger voll von sprühendem Leben, statt der Inspiration die 
Reflexion zeigend, aber ebenso feiner Beobachter und oft auch 
edler und studirter in Form und Behandlung, steht er Knaus 
kaum irgendwie nach. Es wäre denn in der Gluth der Farbe, 
da er entsprechend seinem sehr viel kühleren Temperament nicht 
eigentlich Colorist ist, ja so wenig Ton hat, daß er oft fast 
bunt wird, und in einer mit dem beiderseitigen Naturell 
genau zusammenhängenden geringeren packcnden Kraft. Knaus 
unendlicher Humor verwandelt sich bei ihm oft in leichte Ironie, 
das Elegische glückt ihm fast besser als das Hu1noristische, hier 
zeigt er aber auch oft das tiefste Gefühl, ist dem leichtblütigeren 
Knaus seinerseits überlegen. sss Er wäre gegen diesen entfchie: 
den im Nachtheil, wenn er bloß feine in den deutschen Sälen 
befindlichen Bilder hier hätte; so schön sein neben Knauf; aus: 
gestellter Bauerntanzmeister auch ist, der den Sthwarzwälder
        

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