Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-30266
Malerei. 
deutfOhS 
Die 
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VEVstehe, und tritt eben unterm Jubel der Anderen mit der 
hübschen Sennerin schnalzend und hüpfend dazu an. Die Ge: 
bärde des fchelmischen Einverständnisses, mit der die Sennerin 
dabei nach den Uebrigen zurückblickt, wie die Mannigfaltigkeit 
im Ausdruck der letztern sind Unübertrefflich, das Ganze von 
einem harmlos unschuldigen Humor, der um so unwidersteh: 
Ischer auf den Beschauer wirkt, als das Talent der Darstellung 
slCh genau in derselben anspruchslosen und überzeugend wahren 
Weise äußert.  Es liegt ein unendlich begliickender, weil 
einem den Glauben an die Menschheit wiederherstellender Jdea: 
kIsmus in diesen doch so realistisch überzeugenden Gestalten, die 
Uns ein idyllisches Leben, ein goldenes Zeitalter ohne Laster 
Und Gemeinheit in ihren einfachen Naturmenschen vorzaubern, 
Wie seinerzeit Knaus mit seiner künstlerisch freilich noch höher 
stehenden goldenen Hochzeit dadurch ganz Deutschland in Allarm 
gesetzt hat, obgleich sie nicht in allen einzelnen Figuren indi: 
diduell und überzeugend wahr gerathen, aber in der seelen: 
vollen Schönheit von ein paar Frauenköpfen allerdings noch 
Über Defregger weit hinausgehend erschien. 
Jhr schon um einen Schritt näher gerückt, finden wir den 
letztern im dritten Bild, wo er uns in eine Tyroler Bauern: 
stube führt, zugleich mit einem Paar italienischer kleiner Musi: 
kcmten, die unter Aufsicht ihres Vaters an der Familie durch 
Gesang mit obligatem Guitarregeklimper die Macht der Töne 
erproben. Die mannigfach reizend nüancirte Wirkung dieses 
Kunstgenusses aus die Kinder und die Alten ist mit ungewöhn2 
lichem Talent geschildert, jede Figur in Jndididualißrung und 
Ausdruck gleich wahr und gleich verschieden von allen übrigen. 
Wenn es hauptsächlich der seelische Ausdruck ist, der uns 
so in seinen Figuren fesselt, so ist es aber nicht der momentane 
allein, nein die ganze Seele, das ganze Jndividuum erhalten 
Wir gleichzeitig mit einer Wahrheit, welche durch die Reinheit, 
mit der die Empfindung aus seiner Seele quillt, allemal zur 
Schönheit geadelt wird.  
Man möchte die übertriebenen Verehrer der alten Kunst 
mit ihrer hochmüthigen Verachtung der modernen allemal vor 
sVlChe Bilder von Defregger oder noch mehr Knaus und Vautier 
führen und sie bitten, uns doch zu sagen, welcher alte Nieder:s 
P2ck,It, Kunst und Kunstinduftric. 8
        

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