Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-30122
Die deutsche Malerei. 
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großen Räumen, wo sie regelmäßig Alles um sich herum todt: 
fChlagen. 
Dies; gilt selbst von der gespenstischeii Erscheinung des 
FaustIschen Gretchens von Max, einem glänzenden Talent, das 
mit Müller die Neigung für das Baroke nnd Absonderliche 
theilt, wenn auch in mäszigerer und sehr viel modernerer Form.. 
Wie sie im Todtenhemd den dünnen rothen Streifen des abge: 
hauenen Halses zu verbergen strebend aus dem tiefen Dunkel 
CIUftaucht, macht sie keinen eigentlich tragischen, aber doch unheini: 
Eh genug ergreifenden Eindruck. Poetischer wenigstens ist der 
1ener Blinden, die vor der römischen Catakonibe den christlichen 
V8sUchern derselben die Lampen mitgibt.i Die Blinde als 
Spenderin des ewigen Lichts, denn sie ist offenbar Märtyrerin 
und durch wilde Thiere ums Augenlicht gebracht, denen sie 
vorgeworfen wurde, und deren Spuren man noch sieht; das ist 
immerhin ein tief poetischer Gedanke, der durch die meisterhaft 
zarte und edle Ausführung noch rührender, freilich auch auälender 
gemacht wird. 
Ein anderes Bild von Max zeigt uns ein junges schönes 
Mädchen im Frühling, ihres wie des Natur:Lebens mitten unter 
Blüthen im Grünen sitzend, und von der Lektüre aufblickend, 
einen Myrthenkranz, der eben in der Ferne getragen wird, 
gewahrend, wohl um die Richtung ihrer eigenen Gedanken 
anzudeuten. Auch dies; Bild ist höchst ansprechend in seiner 
liebevollen, nur fast zu porträtartigen Ausführung wie dem feinen 
künstlerischen gesühlvollen Reiz, den es mit seiner Klavierspielerin 
gemein hat. Jene Neigung für das Gefuchte, die Max mit vielen 
Andern theilt, und sich von ihnen nur dadurch unterscheidet, 
daß er auch findet,  ne spricht auch aus der Dirne, die 
halb verblüht früh Morgens nach einem Balle auf dem Bette 
sitzt, und umgeben von den zerknitterten Spuren desselben trostlos 
ihr Schicksal iibskve:xki. 
Wohlthuender als die eben erwähnte des so begabten 
Künstlers wirkt eine andere den Qsterspaziergang darstellende 
Faustscene von Schraudolph. Faust ist mit Wagner eben zu 
dem Bürger getreten, der ihn ob seiner Euren preist, und 
Um den sich unter den knofpenden Bäumen ein behaglicher 
Chor von Philistern versammelt hat, während die Bitrgersmädchen
        

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