Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-30062
Die deutsche Malerei. 
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darauf, daß gerade der deutsche Beamtenstand noch immer eine 
weit größere Zahl pflichttreuer, wohlwollender und einftchtiger 
Männer zählt als die Bureaukratie irgend eines andern Landes2 
Aber der Einzelne kann ohne die Mitwirkung und das Ver: 
ständniß der Gesammtheit derartige Zustände beim besten Willen 
Nicht ändern. Besonders wenn seine eigene Bildung es ihm 
Unmöglich macht, das Uebel auch nur einzusehen. Daß aber 
das eisrigste Studium des 0orpus juris oder des preußischen 
Landrechts nicht ausreicht, um in ästhetischen Dingen über die 
Nothwendigkeit und Nüt,zlichkeit oder gar die Mittel zur Pflege 
des Schönen besonders helle Begriffe zu bekommen, das kann 
man bei unzähligen Excellenzen in Deutschland täglich zu deutlich 
sehen und hören, als daß es einem nicht bald klar machte, wie 
diese der Produktion jeder Art so feindliche, ganz einseitige 
Herrschaft der Juristen im Staat eines der größten Uebel sei, 
an denen wir kranken. Denn das Naht regelt ja blos; die 
Formen des Verkehrs, steht aber fast regelmäßig dem Jnhalt 
fremd gegenüber.  
Wenn man den ungeheuren Apparat von Geheim: und 
Ministerialräthen und Assessoren, von Professoren und Directoren 
fleht, den das vereinigte Deutschland hier wie daheim auf: 
wendet, um ein bald erbärmliches bald ztoeckwidriges Resultat 
zu erhalten, und sich nachher, wenn es doch wenigstens wissen 
Will, was denn eigentlich erreicht werden und wie man daran 
sei, dieß erst von uns Kunstschriftstellern, die man das 
ganze Jahr bei jeder.Gelegenheit mißhandelt und zurücksetzt, 
sagen, das Facit dieses ungeheuren Apparats ziehen lassen muß, 
sO kann man doch vielleicht an der Weisheit und Güte von 
Institutionen zweifeln, die mit so großen Mitteln so wenig 
erreichen. 
Daß dies; der Fall, lehrt wie gesagt der erste Schritt in 
die deutschen Säle, es spricht nicht, nein, es schreit mit größter 
Deutlichkeit von allen Wänden innen und außen herunter, daß 
wir nächstens keine monumentale Kunst überhaupt, jedenfalls 
aber keine Historienmalerei mehr haben werden, in dem Lande, 
VII eben erst so großartig Geschichte gemacht, das den größten 
Htstorienmaler unserer Zeit hervorgebracht, das unter den jetzt 
Lebenden und Strebenden noch immer die bedeutendsten besitzt,
        

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