Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Le Petits Ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche
Person:
LePetit Gutzkow, Karl Riepenhausen, Ernst Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-23037
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-23228
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sich zu befreien von der Copie; denn alle Erfindungen der heu: 
tigen Malerei sind dies mehr oder weniger, sie gehen über 
ein Ideal nicht hinaus,j und die verschiedenen Gegenstände, 
welche sie geben, sind nichts, als Variationen eines höchst 
kleinen, mit einem Acht des Erstaunens hinreichend ausge: 
drückten Fonds. An Hogarth würde diese Jugend lernen,lwie 
innig das Genie sich mit der Zeit verschwistern kann und wie sich 
jene fortwährende Klage, daß die Kunst nichts 3eitgemäßes bringe, 
tilgen läßt. Denn Hogarth schuf l1nsterdliches selbst aus einer 
Zeit, die mit Puder,und Reifroct zur. tiefsten Pressa geschworen 
hatte. Wäret Ihr nüchtern, im Zusammenhange mit dem Genius 
des Jahrhunderts, weniger Clique, sänget Jhr nicht unter einan: 
der Lieder, in welchen Ihr Eure Mittelmäßigkeit beschönigt, und 
dehntet die kleine Sphäre, in welcher Jhr lebt, in die Raume 
der Welt aus; was böte Euch nicht unsre Zeit, so reich an histo: 
rischer Poesie, an Widerspruch, an Melancholie, an Allem, was 
den Genius herausfordert2 Wer verlangt, daß Ihr moralisiren 
sollt, wie HogarthT wer sagt, daß seine Contraste, seine Zerr: 
bilder, sein Trumpfen auf Häßlichkeit nachahmungswürdig ist7 
Niemand; aber was jeder Künstler vonsihm entlehnen sollte, ist seine 
Besonnenheit, sein Realismus, seine Wirklichkeit, sein Mitteneins 
treten in den Gegenstand,.welches Alles bei ihm nicht ohne En: 
thusiasmus war. .AuFh in.seinem Antlitz flaclerte eine kleine 
Flamme,,,welche die knunstlertsche Selbstgenugthuung zu einem vers 
klärten Lacheln anschurte. Es ist nicht Alles an Hogarth die 
Schadenfreude des Satyrs, der prosaisch mit seinem Horne aus 
dem Versteck hervorblicit; sondern oft auch eine sanfte Schwarz 
merei, Ich in der Nähe des Ideale zu überraschen und von jener 
Flamme angehaucht zu werden, für welche in jedes Künstlers 
Seele ein heiliger Altar errichtet sein soll. 
Stuttgart, im December 1834. 
Karl 
.Guykow.
        

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