Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3562293
Carstens 
Mantua 
178Is3. 
dennoch ein, sich noch einmal an der Preisbewerbung zu betheiligeu, um 
die goldene Ehrenn1ünze m1d ein sechsjähriges Stipendinm fiir Rom zu 
gewinnen. Carsteus wies die Hand, die man ih1n bot, schroff zurück, und 
fenerte sich dagegen nur um so mehr an, auch ohne fremde Hülfe nach 
Rom zu kommen. Zwar hatte er sein Erbtheil aufgezehrt, aber er hatte 
sich durch Anfertigung von Bildnif;zeichnungen in Röthel mancherlei vers 
dient, 1md einige hundert Thaler an Erspartem zurückgelegt. 
Im Besitze dieses Geldes brachCarstens im Frühlinge des Jahres 
1783, nachdem er sieben Jahre zu Kopenhagen gelebt hatte, von dort 
auf, nnd reiste in Gesellschaft seines jüngsten Bruders, Friedrich, von 
Liibeck ans auf geradem Wege durch Deutschland nach Berona nnd 
Mantua. In dieser letzteren Stadt befinden sich die großen Fressen: 
malereien des Ginlio Romano, des vorziiglichsteu Schülers von Rafael, 
und wohl Niemand wird dieselben, ohne seine tiefere Anregung zu 
empfangen, betrachten lönnen. Auf Carstens machten sie einen mächtigen 
nnd entscheidenden Eindruck: ,,Hier  so sagt er selbst  sah ich ends 
lich, was ich so lange zu sehe11 gewünscht hatte, ein großes Werk der 
neueren Malerei, 1md erhielt daraus zuerst einen anschanlichen Begriff 
von der Freseomalerei 1md von der römischen Schule. Dazu waren es 
die Arbeiten von Rafaelis bestem Schüler, und sie gaben mir eine deut: 
lichere Idee von den Werken seines großen Meisters, als ich bis dahin 
ans den Knpferstichen nach denselben gehabt hatte. Diese Malereien 
waren ganz für mein Gefühl, groß, voll fenriger Phantasie und von 
geistreicher Erfindung, ernst und kräftig im Styl. Es kam mir vor, als 
ob ich jetzt zum ersten Male wahre Malerei sähe, die ich ganz verstand 
1md fühlte.c Nach meiner Weise, Kunstwerke zu stndiren, die einen :nächs 
tigen Eindruck auf mich machten, den ich dauernd in mir zu bewahren 
und für meine eigenen Kunstiibnngen zu benutzen wünschte, blieb ich zu 
halben nnd ganzen Tagen im Palast del.Tc nnd suchte den großen m1d 
kraftvollen Styl dieser kühn erfnudenen Werke meiner Einbildnngskraft 
so fest einzuprägen, das; die Vorstellung derselben mir incmer lebendig 
blieb, 1md nachher, wo ich wieder mehrere Jahre lang im Norden von 
Deutschland, von allen Kunstwerken abgeschnitten,. schmachten mußte, mir 
wie ein Leitstern vorleuchtete, 1md mich auf rechter Bahn erhielt.r 
Carstens konnte sich von Mantua nicht trennen; der längere Auf: 
euthalt daselbst hatte aber seinen Beutel so angegriffen, daß er es gerathen 
fand, die Weiterreise nach Rom aufzugeben und über Mailand durch die 
Schweiz heimzukehren. Er ging nach Lübeck, wo er für die nächsten 
fünf Jahre seinen Aufenthalt nahm. Als Gewinn der Reise brachte er 
eine bedeutend bckcicherte Erfahrung, und die Kenntniß der Fressen des
        

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