Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3562125
Ausland. 
Das 
Italien. 
modernen Kunsteutwicelnng betheiligteu, in nicht nnterbrochener Verbindung 
mit der bestehenden kiinstlerischen Tradition. 
Namentlich das alte Land der Künste, Italien, verharrte in der 
XakadeuIisrhen Art und Weise, wie diese zuletzt durch Battoni und Mengs 
entwickelt war, bis es, politisch unter die Botmäßigkeit Frankreichs gebracht, 
auch kiiustlerisch von dorther tief beeinflußt wurde. Man nimmt also gerade 
da, wo ehedem die Kunst eine so hohe nnd reine Blüthe gefeiert hatte, nur 
Unselbständigkeit wahr. Ja, selbst Derjenige, ans den man in Italien den 
höchsten Werth legte, Antonio Canova  ist beeinflußt von 
 Mengss, nnd kann den Bann des akademischen Idealis: 
 
 
 
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mirs nicht durchbrechen. Dabei fehlt ihm, ganz ähnlich wie Mengs, 
schöpferischer Geist nnd erfindende Phantasie, es fehlt ihm der Sinn 
für den reinen, heroische11 Styl nnd die ruhige, gehaltvolle Schönheit 
höchster Klassizität. Mit Glück gelingt ihm das Gefällige und Anmuthige, 
wie wir es etwa in seiner ,,HebeE, die sich i1n Museum zu Berlin be: 
findet, oder in den einzelnen Gestalten seines Gral1denkn1ales der Herzogin 
von Teschen zu Wien sehen und anerkennen. Als Erfinder aber zeigt er 
sich gerade z. B. in eben diesem Grabmal äußerst schwach und diirr, und 
ähnlich unzulänglich ist er da, wo es sich um die Darstellung idealer 
Herden von gewaltig kraftvoller Hoheit nnd iiber1neuschlicher Würde 
handelt. Als Beispiele dürften in diesem Betrachte der ,,ThesensU in 
Wien nnd der ,,HerknlesH in Venedig zu nennen sein. Durch alle diese 
Eigenschaften und Züge stellt sich Canova in die Reihe jener Männer, 
die zwar das Uebel der damaligen .Kunstzustitnde einsaheu, nnd mit Red: 
lichkeit auf eine Abhülfe desselben hinsirebten, die aber, ohne schöpferischeu 
Genins, in den Bahnen akaden1ischer Methode und Anschauung verharrten. 
Bei dem verhältnißmäßigen Talente jedoch, welches Canova besaß, gelang 
es ihm in jener Zeit, deren allgemeine Kunstbegriffe im Wesentlichen 
noch völlig akademische waren, ähnlich wie Mengs, zu einem sehr bedeutenden 
Rufe zu gelangen. Zwischen beiden Künstlern besteht überhaupt eine große 
Verwandtschaft 11nd Aehnlichkeit, so daß Goethe. schon den Cauova ,,ohne 
Weiteres für Mengs7 Nachfolger erklären zu dürfenU glanbtc.7iJ Und 
 
 
 
 
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375.
        

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