Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3564504
Die 
in der 
Freskomalercicn 
WohnI11 
BartholdyUZ. 
289 
Frankfurt, in der .Knnstakade1uie zu Berlin, dem Museum zu Hannover 
nnd an andern Orten; die Entwiirfe, Studien nnd Farbenskizzen, soweit 
sie erhalten, in verschiedenem Privatbcsitze. 
Wir wenden uns nun zu einer kurzen kijnstlerischen nnd kunstgeschicht2 
lichen Würdigung dieser Malereien. 
Schon die Wahl des Stoffes war eine sehr glückliche, indem sie 
sich für einen, so zu sagen nentralen Gegenstand entschied, welcher alle 
Bedingungen klassischer Historien1nalerei erfüllte. Mit einein 1nhthologischen 
Stoffe hätten sich die kirchliih Gesinnten, insbesondere die Convertitcn 
nicht zu versöhnen ver1nocht, ein Gegenstand ans der evangelischen oder 
heiligen Geschichte hätte eine starke Betonung jener kirchlichen Gesinnung 
sehr nahe gelegt: indem also Coruelins die Geschichte des ägyptischen 
Josef7s vorschlng nnd hiermit bei seinen Freunden Anklang fand, wurden 
alle Schwierigkeiten, welche die kirchlich:romantische Stinnnnng der Eouveri 
titen hervorrnfen konnte, vern1ieden. Der religiöse Standpunkt des Ein: 
zelnen trat dieser Geschichte gegenüber, welche einen voruJiegend profauen 
Charakter hat, ganz in den Hintergrnud. Und dies war ein großer Bari 
theil, da alle Veranlassung zur Hereinziehung shn1bolischer Elemente in 
die Eo1nposition hierdurch von selbst entfiel. Während also auf diese 
Weise eine Auffassung völlig im Sinne geschichtlicher Thatsächlichkeit er: 
möglicht wurde, kam die si1mvolle Einfachheit und die innerliche Bedent: 
samkeit dieser Geschichte auch dem Ausdruck eines edlen Ernstes und einer 
seelischen Tiefe entgegen. So bot der Gegenstand selbst die Bedingungen, 
welche die Eo1nposition echt historischer Gen1älde fordert, nnd es war nun 
Sache der Künstler, durch Auffassung nnd Ausgestaltung desselben ihn zu 
solchen echt historischen Gemäldeu ansznarbeiten. Eine Entschuldigung 
wegen des spräden, nndarstellbaren Stoffes konnte Niemand von ihnen 
geltend machen, nnd wenn Einer hinter dem Andern znrückstand, so war 
dies ein Beweis, daß sein Talent, seine Fähigkeiten, sein Können auf dem 
Gebiete der Geschichtsmalerei geringere waren. Um einer ziemlich ver: 
breiteten Sage zu begegnen, erwähnen wir noch, daß die Wahl des Stoffes 
eine völlig freie und nnbeeinflus3te war, nnd daß von einer Rücksichtnahme 
auf das angeblich jtidische Betenntniß Bartholdh7s keine Rede sein kann, 
da Bartholdy schon seit länger als einem Jahrzehnt zur evangelischen 
Kirche übergetreten war. 
Diesen Stoff faßten die Künstler, iibereinstin1n1end mit den schon 
zuvor von Cornelins, in dem Briefe an Görres IS. 281J ausgesprochenen 
Ansichten, im Sinne der klassischen Historien1nalerei Italiens, besonders 
im Ausblick auf das große Vorbild Rafael7s, auf. Sie wiihlten also auch 
den klas fischen Sthl und die klassische Formengebnng in der Gewandung 
Riegel, Geschichte der deutschen Kunst te. 19
        

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