Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3563930
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Schlegel. 
Friedrich 
Standpunktes. 
seines 
Berechtigung 
tischen Schule 1md der romantischen KuusttheorienP Er sagt: ,,Die 
echte Quelle der Kunst und des Schönen liegt im Gefühlts, aber nicht 
in dem dichteriskh,skhaffeUden, sondern in dem religiösen Gefühle. ,,Ber: 
gebens sucht man die Malerknnst wieder hervorzurufen, wenn man nicht erst 
die Religion, wenigstens die Idee derselben wieder hervorgernfen hatt Und 
mit einem Seitenhieb auf ,,den prosaischen Nebel autikischer NachahmereiU 
heißt es dann: ,,Die Hauptsache aber bleibt, daß es dem Künstler Ernst 
sei mit dem tiefen religiösen Gefühl, in wahrer Andacht und im lebendigen 
Glanben.H Schlegel warnt dabei vor der bloßen Beschäftigung der 
,,Phantasie mit den katholischen Sinnbildern0, er verlangt eben durchaus 
.,Glauben0. Demgemäß findet er ,,den richtigen Begriff der Kunst darin, 
daß die synibolische Bedeutung nnd Andeutung göttlicher Gehei1nnisse ihr 
eigentlicher Zweck, alles Uebrige aber nur Mittel, dieuendes Glied und 
Buchstabe.seiU. Und. da es nun bedenklich sei, wenn jeder Maler sich 
diese Symbole und ,,göttlichen Siunbilder selbst schaffen, so soll er, um 
sichrer zu gehen, sich ,,den alten, durch Tradition gegebenen und gehet: 
ligten Siuubildern anschließenH. Also ,,den alten Malern, besonders den 
iiltestenU soll der Künstler folgen, und insbesondere auch ,,den Styl der 
altdeutschen Schule sieh zum Vorbilde wählen, eingedenk bleibend der 
Nation, welcher auch wir noch angehören, nnd deren tieferen Charakter 
wir vor Allem in der Kunst nie verleugnen dürfeuH. Aber nicht äußerlich 
und unecht soll diese .Nachahmnng sein, denn ,,es liegt überhanpt,nicht7 in 
den Aeußerlichkeiteu; sondern der stille, fromme Geist der alten Zeit ist 
es, welcher den Maler beseelen und wieder hinführen soll zu der reinen, 
christlichen Schönheit, daß diese, mit dem hellsten Glanze, die Gebilde 
der wieder aufblühenden Kunst in neuer Morgenröthe durchstrahleH. 
Wenn Winckelmann von der innigsten, schöpferischeu Aufnahme 
hellenischen Knnstgeistes, Schadow von der gewissenhaften Beachtung der 
Natur in ihrer charakteristischen Wahrheit eine Wiedergeburt der Kunst 
erwartet hatte, so forderte Schlegel als die Voraussetzung derselben den 
lebendigen Glauben an die Religion der n1ittelalterlichen Kirche. Wie 
wir aber in beiden Standpunkten, dem von Winckelmaun nnd dem von 
Schadow, eine wohl begründete Berechtigung anerkennen mußten, so wer: 
den wir auch dem Standpunkte Schlegel7s eine Berechtigung nicht ab: 
sprechen können. Durch Winckel1uaun7s Lehre von vollendeter Schönheit 
bei würdigem Inhalte, durch Schadow7s Forderung nach strenger Natur: 
wahrheit waren die Lebensele1nente der Kunst noch nicht erschöpfend be: 
zeichnet. Wir bemerkten bereits, daß man zwar für die Bildhauerei 
dies würde zugeben können, jedoch nicht so auch für die Malerei, in 
Bezug, auf welche mit Recht die Forderung nach wahrhaftigster Jnuer:
        

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