Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3563901
Wa ckenrode3s. 
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Märkten, wo die Kunst uns überall 1uit ihren Werken, anregend, erhebend 
nnd veredelnd umgeben, wo sie mit dem Leben des ganzen Volkes in eine 
einzige Harmonie znsam1uenklingen sollte, aus dieser i1n1nerwährenden 
und nie zu lösenden Gemeinschaft reißt er die Kunst heraus, stellt sie auf 
den Altar und ruft: Betet ani Ja, nicht allein dies; er vergötterte selbst 
die Träger der Kunst, die Urheber großer Kunstwerke. So wenigstens 
wird man die folgende Aenßerung verstehen müssen: ,,Es ist in der Welt 
der Künstler gar kein höherer, der Anbetung wiirdigerer Gegenstand als  
ein ursprünglich Originallt VI Aus der, wie zum Gebete gesammelten 
Andacht, mit welcher der Beschauer sich hohen Werken der Kunst nähern 
soll, war also richtig Anbetung. des Werkes von Menschenhand, Anbetung 
des Menschen, der dieses Werk hervorgebracht, gewordenI Allerdings 
hatte Goethe in dem Aussage über Erwin auch denselben Ausdruck ,,ani 
betenss in ähnliche1n Zusannnenhange gebraucht, aber doch bloß als 
rhetorischen Ausdruck in dichterische1n und profane1n Sinne; Wackenroder 
dagegen faßt ihn seiner 1nateriellen Bedeutung nach in religiösem Sinne. 
Der Unterschied ist also ein ganz wesentlicher und ein so deutlicher, daß 
jedes.Mißverstiinduiß fern liegen muß. Uebrigens wiederholen sich die 
Fälle ähnlicher Art und bekunden, daß Wackenroder jener Schrift Goethes 
bedeutende Anregungen verdankt, die er dann in seiner Weise weiter 
entwickelte.  
Wackenroder7s eigenthiimlich schwärmerische Vorstelluugsweise mußte 
nun zur mhstisch:phantastischen Ueberschwänglichkeit führen. Die Kunst wurde 
mit der Religion verwechselt, beide Religion und Kunst als die ,,zwei 
großen göttlichen WesenH verkiindigt, welche den Menschen führen und 
ihn ,,den wahren Geist aller Dinge erkennen nnd verstehenH lehren. VI 
Dies ist eine Auffassung der Kunst, die für eine einzelne Individualität 
wie die Wnckenroder7s Geltung haben mag, die aber,sachlich nicht zu 
halten ist, nnd die auch schon auf eine gefährliche Klippe hi1nvies, auf welche 
man lossteuerte. Niemand wird nämlich in diesen Ansichten Wackenroder7s 
die katholisirende Neigung verkennen können. Schon gleich nach dem Er; 
scheinen der ,,Herzensergießungenss nahm A. W. Schlegel, mit richtig 
spiirende1n Gefühle, den Verfasser, derselben gegen hierauf zielende Vor: 
wiirfe in Schutz. Allein dies war feine mehr als gewagte Unternehnnmg, 
da Wackenroder den katholischen Kultus hoch verherrlichte und den Ueber: 
tritt zur römischen Kirche feierte. Im Geiste wohnte er i1n Pantheon einem 
  D Aus dem Auffatze: ,,Die Größe des MiFhelangelo.U Wiener Ausgabe. 
W Aus der ,,Schilderung, wie die alten Künstler gelebtshaben U. s. w.I7 
Ausgabe. S. 144.  
S. 109. 
Wiener
        

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