Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3563544
Preisaufgaben 
München. 
Weimar, 
Schelling. 
193 
den Earstens7schen Nachlaß besaß nnd 111it dem Goethe viel iiber Kunst: 
diuge sich unterhielt. Goethe vermittelte dann den Erwerb des Nachlafses 
fiir Karl August, nnd es mag wohl sein, daß er durch die wiederholte 
Anschauung dieser Werke doch zu der Ueberzengung gelangt sei, es 
miißten solchen Leistungen gegenüber die praktischen Erfolge der Preis: 
anfgaben zurücktreten. Vielleicht n1ag 1nan auch gefunden haben, daß der 
regelmäßige Geldanfwand  der Preis allein betrug seit 1.802 sechzig 
Dncateu  auf die Dauer unbeqne1n wurde; und endlich mögen ähnliche 
Verhältnisse mitgewirkt haben, die schon das Eingehen der ,,ProphläenH 
nöthig gemacht hatten, und die Goethe in seinen Tag: und Iahresheften 
Cvon 1800J als gegnerische Machenschafteu ,,bösartiger MenschenH be: 
zeichnete. Genug, das Unternehmen hörte mit der siebenten Preisaufgabe 
im Jahre 1805 auf.   
Als eine Fortsetzung der Weimarischen Preisaufgaben diirfte11 ge: 
wissertnaßen die von der Akademie zu München gestellten Auf: 
gaben anzusehen sein, deren Preis im Jt1hk2 1814s Wie Wir ftbv1I 
CS. l13D mittheilten, Josef Koch znfiel. Man darf vielleicht in dieser 
Auszeichnung eines anerkannten Meisters der ,nenen Richtung den ersten 
Schritt einer Hinuäherung der Akademien zu dieser finden, und man wird 
nicht irren, wenn man die anregende Ursache zu demselben in Schelling 
CS: 174J sucht. Aber im Allgemeinen bewegten sich die nach Weimar 
wie nach München eingelieferten Arbeiten mehr oder weniger in den 
Bahnen alade1nischer Kunst, wie solche durch Mengs bestimmt worden waren. 
Es haftete ihnen im Großen nnd Ganzen das Lahme, Nüchterne m1d 
Aeußerliche, bei einem entschiedenen Streben nach formaler Klassizität, 
an, welches die Eigenschaft der auf den Akade1nien geübten, wie gelehrten 
Kunst damals war. Also auch auf diesem Wege war es nicht möglich, 
zu einer wahrhaften nnd innerlichen Berjiingnng der deutschen Kunst zu 
gelangen, und die Theorie, selbst die beste und vUortrefflichste, hatte sich 
außer Stande gezeigt, in unmittelbarer Weise wirklich belebend nnd be: 
deutsam anregend auf die Knnstübnng einzrnvirken. 
Dies wurde in gewissem Sinne auch eingesehen. Schelling, 
der in jenen Jahren in Jena lebte, hatte dies Weimarischen Knnstbestrebungen 
aus eigener Anschauung und durch näheren Umgang mit Goethe und den 
übrigen Kuustfreunden kennen gelernt. Thcoretisch befand er sich mit 
Goethe im Allge1neinen auf dem nämlichen.Boden, aber ebenso wie den 
Kunstfreunden ging auch ihm die Kenntniß von den neuen Knnstbestrebnngen 
der Deutschen in Rom ab, ebenso wie sie begriff er noch nicht die Be: 
dentnng von Earstens, dessen nachgelassene Werke doch auch er Gelegenheit 
hatte zu sehen: und so stand er noch gleichsam wie vor geschlossene1n Vor: 
Riegel, Gefchiii;te der deutschen Kunst :e. 13 
        

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