Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3563525
Die Weimarischen Preisaufgaben. 
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Diese Unternehmung, aus den reifsten Einsichteu und den besten Ab: 
sichten entsprungen, gewährt nun, wenn n1an sie näher betrachtet, eine 
werthvolle Belehrung. Mit großer Befriedigung sahen die Weimarischen sinnst: 
fre1u1de ihre Stadt schnell zu einem Mittelpunkte deutscher Knnstbestrebungcn 
werden, 1n1d dieses Gefühles froh, sprachen sie in der Beurtheilnng der 
im Jahre 1800 eingegangenen Stüike folgende Gedanken aus: ,,Ein 
nochmaliger allgemeiner Ueberbliek über alle, ans verschiedenen Gegenden 
Deutschlands eingegangenen Concnrrenzstiieke gewährt uns zugleich den 
Ueberblick über Geist, Kultur und Talent der Nation, wie sie im Fache 
der bildenden Künste im gegenwärtigen Augenblick herrschen und bestehen. 
Dieser Ueberblick ist allerdings sehr befriedigend, ja noch mehr, er ist 
erfreulich. Wir sagen erfreulich. Denn niemand wird ohne frohe Ein: 
pfindnngen bemerken, wie durchaus etwas wackeres, rechtliches,,gntes, 
meist ein edles und zartes Gefühl, auch selbst bei denen herrscht, die es 
in der.Kunst eben noch nicht weit gebracht haben. Dieses ist ein guter 
Grund, aus welchem sicherlich das Schöne und der Geschmack, wenn er 
gepflegt wird, blühend erwachsen kann.H Man wird aus diesen Aenßernngen 
feststellen dürfen, daß die Knnstsreunde und insbesondere Goethe, der sie 
führte und öffentlich vertrat, mit den Erfolgen ihrer Bemühungen sehr 
zufrieden waren. ,Wenn wir diese Erfolge jetzt anders beurtheilen, so 
sind es vornehmlich zwei Dinge, welche uns hierzu bestimmen. Zunächst 
standen die Weimarischen .Kunstfreunde insofern außerhalb des lebendigen 
Stromes der damaligen deutschen Kunstbestrebungeu, als sie Das, was 
zu Rom geschehen war, noch nicht kannten oder nicht genügend würdigten; 
sie tänschten sich deshalb thätsäahlich, als sie sagten, daß die Preis: 
bewerbungsstücke vom Jahre 1800 einen Ueberblick über die künstlerischen 
Anlagen nnd Kräfte der Nation gewährten. Ferner aber zeigt es sich, 
wenn man die geäußerten Urtheile mit den beurtheilten Leistungen 
unter geschiihtlichem Gesichtspunkte .vergleicht, daß die Kunstfreunde, 
sobald sie den Boden ihrer Theorie, die grundsätzlich mit den 
Prinzipien der Carstens7schen Kunst übereinstimmte, verließen, und zu 
praktischen Urtheilen über gegebene Kunstwerke übergingen, den Maßstab 
dieser Urtheile unmittelbar den Leistungen von Mengs und dessen Nach: 
ahmern, bewußt und unbewußt, eutnahmen. Das akademisch Sehulgerechte 
stellten sie trotz aller guten Absichten über die, wenn auch noch .unbeholfeuen 
Aeußerungen des Genius. So begreift man, daß Josef Hoffmann 
 ans Köln, dessen Name sich nur durch diese Aufgaben 
erhaltenHhat, dreimal den Preis gewinnen, daß aber ein Cornelins, der 
zu den letzten drei Bewerbuugen Arbeiten eingeschickt hatte, leer ausgehen 
konnte. Zur Erklärung dieser Thatsache können nur innere Gründe
        

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