Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3562924
Jason. 
Statue des 
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war dies Modell im April 1801 fertig, aber er hatte kein Geld, es in 
Gyps formen zu lassen. So hielt er es einstweilen feucht, mußte es aber 
doch im October desselben Jahres wieder zerschlagen. Zugleich mußte er 
auf die Heimreise ernstlich Bedarht nehmen, so daß die Zukunft dunkel 
vor ihm lag. Da trat eine Reihe von Vorfiillen ein, die seine ganze 
Lage änderten. Zunächst gewährte die Akademie zu Kopenhagen in an: 
erkennenswerther Weise noch fernere Stipendien, so daß er überhaupt 
sechs Jahre hindurch diese Wohlthat genoß, und bis auf Weiteres 
wieder in Romsbleiben konnte. Ehe er jedoch an eine neue Arbeit 
ging, erregte ein ,,An1orU des bereits IS. 104J genannten Bildhauers 
Schweickle AufsehenVJ, und reizte,hierdnrch Thorwaldsen, der sdieses3Werk 
des großen Aufsehens nicht für werth hielt, ebenfalls um den allgemeinen 
Beifall zu werben. Sein .,Jason0,. in gelänterter Dnrchbildung nnd in 
kolossalem Maßstabe ausgeführt, sollte das Mittel zur Begründung seines 
Rufes werden, nnd er ward in der That die Grundlage seines Ruhmes. 
Im Herbste 1802 begann er diese Statue, nnd nach einigen Monaten 
strömte ganzsRom in Thorwaldsen7s Werkstatt, um den Heros zu bei 
wundern. Trotzdem blieben die äußeren Erfolge aus, und der Künstler 
bereitete von Neuem seine Abreise vor. Die zufällige Verschiebung der 
letzteren dann um einen Tag gestatteteIihm, in seiner Werkstatt, wo der 
Jason, wahrscheinlich auf Kosten Friederike Brun7s in Gyps abgeformt, 
stand, einen fremden Knnftfreuud, Thomas HopeMJ, persönlich zu 
empfangen. .Hope erkannte die Bedeutung des Werkes, sah dazu die Lage 
des zur Reise geriisteten Künstlers und einschloß sich deshalb sofort, die 
Ausführung des Jason in Marmor zu bestellen. Thorwaldsen blieb in 
Rom, sein Schicksal war entschieden. Auf den Schwingen des Ruhmes 
wurde er schnell zu der Höhe feines Daseins gehoben und sein Genius 
hielt ihn da sicher und fest. Eine wunderbar reiche Thätigkeit entwickelte 
er nun; Ein herrliches Gebilde der Schönheit folgte dem andern. Thor: 
waldsen ward von aller Welt als der Meister der neueren Bildhauerei 
anerkannt.  
VI Vergl. Kot3ebue, Reise a. a. O. II. 399. 
VI Hope wird bald ein englischer Banquier, bald ein Hokländer genannt. Er war 
allerdings zu London geboren, stammte aber von dem Handelshause Hope in Amsters 
dam ab, dessen Glieder persönlich sich van der Hoop schreiben. In dieser Form 
ist der Name, durch das ,,Museum van der Hvop9 zu An1sterdam,,in Kunstkreiscn ge: 
läufig. Thomas Hope hat eine Reihe gesehätzter Werke herausgegeben. Die Jason: 
Staiue in Marmor erhielt er bekanntlich erst im Jahre 1829. Diese große Vkk, 
zögerung suchte Thorwaldseu auf das Artigste zu unschuldigen, mit Worten in einem 
Brief und durch die That, indem er mehrere andere Marmorwerkc als Geschenfe dem 
Jason beisügte. 
 91s
        

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