Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts
Person:
Riegel, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3561101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3562574
Wächter. 
Eberhard 
die nicht ohne Riickwirkuug auf sein Gemüth bleiben konnten. Eine tiefe 
Sehnsucht nach Rom bemächtigte sich seiner, ,,deu1 einzigen Fleck auf dem 
Erdenrund, wo es wenigstens erlaubt ist, den Grazieu zu opfern, nach 
dem Schönen und Hoheit streben zu diirfeuH ;  und er fühlte sich in 
Folge dessen auf dem vaterländischen Boden doch wie.in der Verbaunnng. 
Diese Stimmung mußte ans seine künstlerische Thätigkeit manche nach: 
theilige Einwirkung ausüben, nnd sie mußte vielfach auch persönliche Aus 
näherungen erschweren oder verhindern, die für ihn innerlich oder.äußerlich 
hätten fruchtbringend sein können. Und so erklärt es sich doppelt, daß 
Wächter7s Arbeiten nie zu den eigentlich gesuchten Kuustwerken gehörten, 
daß oft Stockungen bei der Verwerthung derselben und hierdurch Sorgen 
ernster Art cintraten. Zwar hatte er in Stuttgart durch die ihm über: 
trageue Stelle an der Sammlung der Knpferstiche und Handzeichnnngen 
ein gesichertes Einkonnnen von 500 Gulden, welches später, nach dreißig 
Jahren, auf 900 Gulden erhöht wurde, aber dies reichte zum Unterhalte 
seiner Familie nicht ans. Noth und Bekiintmeruiß stellten sich allzuoft 
ein, und Martin Wagner äußerte sich, indem er das harte Schicksal des 
Freundes beklagt, Wächter scheine ,,n1it dem Unglück schon so verwandt 
zu sein, daß es ihm nicht wohl sein würde, wenn alle Umstände ihm 
günstig wärenU1 Wenn solche Verhältnisse von der Kraft des Geuius 
gewaltsam durchbrochen werden können, so wird ein mittleres Talent 
unter ihnen nur um so mehr leiden, und so sehen wir Wächter, von der 
Last und Schwere des Lebens bedrängt nnd eingeengt, niemals zu einer 
wahrhaft freien Entfaltung seiner kiinstlerischen Fähigkeiten gelangen. 
Ruhig trägt er all7 dies Uebel im Hinblick auf das harte Loos von 
Carstens, ,,mäuscheustille kriecht er in seine Höhle zuriicktt, und hält sich 
vor, was er wohl beanspruchen könne, wenn es jenem doch so übel er: 
gangen wäre. Ueberschätzung seiner selbst ist ihm fremd, ja ein hartes 
Urtheil, das ihm wohl gemeint erscheint, prüft er strenge und findet es 
wahr. ,,Von Meisterschaft  schreibt er in einem solchen Falle  kann 
rücksichtlichY meiner nicht die Rede sein nnd ich fühle selber sehr gut, daß 
streng correcte Zeichnung wohl oft in meinen Bildern zu vermissen sein 
magst Solche Mängel sucht er dann sehr richtig aus seiner Lage zu 
erklären, in der er ,,ganz vereinzelt lebt, nichts sieht, als seine eigenen 
Werke nnd so viele Zeit auf Kalenderzeichnungen verwenden mußt. Und 
was die Farbe seiner Gemälde betrifft, so bestreitet er zwar die Härte 
derselben, aber er bekennt ganz offen, ,,daß, wenn er sich hätte ein 
Tizianisihes Colorit eigen machen können, er auch keinen Augenblick 
angestanden hätte, dasselbe anzunehmen0. Wir haben hier also, durch den 
Meister selbst gegeben eine Würdigung und Beurtheilung wesentlicher
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.