Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Murillo
Person:
Knackfuß, Hermann Murillo, Bartolomé Esteban
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3551105
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3551984
Murillo. 
in der endlosen Schar der Engelchen, die 
sie mit festlichem Jubel umschwärmen.  
Mnrillo malte dieses Bild, eines seiner 
letzten Werke, für ein Hospital zu Sevilla. 
Bei der Ausraubung der Klöster im Jahre 
1810 nahm Marschall Soult, der ein gutes 
Kunstverständnis gehabt haben muß, das: 
selbe für sich in Beschlag. Bei der Ver: 
steigerung von dessen Nachlaß im Jahre 1 852 
erwarb Napoleon das Bild um den Preis 
von 615300 Francs für die Louvresamm: 
lung. Seit den Zeiten, wo römische  
saren abenteuerliche Summen aufwendeten, 
um die alten Meisterwerke hellenisc;er Kunst 
ans dem BesiH griechisiher Städte und 
Tempelgemeinden in die kaiserlichen Sa1nm: 
lungen der Welthauptstadt zu bringen, war 
es nicht mehr vorgekouimeu, daß für ein 
GeInälde eine so hohe Summe verausgabt 
wurde. In unseren Tagen sind freilisch 
schon zweimal noch höhere Preise bezahlt 
worden Cfür Meissoniers Kürassiere und 
Millets AbendliiutenJ. 
Das Louvremnsen1n besiHt noch ein an: 
deres großes Meisterwerk Murillos, welches 
der Jnnnaculata mindestens ebenbürtig ist. 
Dasselbe führt in sehr unzutrefsender Weise 
die Bezeichnung einer heiligen Familie; es 
ist vielmehr eine Verbildlichung der hei: 
ligen Dreifaltigkeit CAbb. 56J. Jesus Chri: 
stus steht als Kind aus dem Schoße Marias 
nnd nimmt das Zeichen seines Opfertodes 
aus der Hand des kleinen Vorläufers, den 
seine Mutter Elisabeth begleitet, entgegen. 
Über dem Jesuskind schwebt der heilige 
Geist in Gestalt einer Taube, nnd ganz 
oben breitet Gott Vater segnend die Arme 
aus. Durch die Schönheit des kühlen, 
leuchtenden Gesamttons, innerhalb dessen 
sich die reichste Farbenwirkung entfaltet, 
gehört dieses Bild zu den malerisch voll: 
kommensten Schöpfungen Murillos. 
Jn der Reihe der vorzüglichsten Werke 
des Meisters steht noch eine Anzahl von 
Madonnenbildern, die nacJ verschiedenen 
Orten zerstreut worden sind. Italien be: 
sitzt neben der bereits erwähnten Corsini: 
madonna in Rom CAbb. 36J das schöne, 
schwermütige, mit kräftigen Farben aus 
tiesdu11klem Grunde hervortretende Marien: 
bild des Pittipalastes zu Florenz CAbb. 57J; 
England das herrliche Rosenkranzbild der 
Dulwichgalerie, das die Jungfrau mit 
dem Kinde, erhaben und holdselig zugleich, 
in lichter Wolkenhöhe thronend zeigt CAbb. 
58J; Holland eine nicht minder liebensi 
wiirdige Madonna in der königlichen Ge: 
mäldesammlung i1n Hang. Vielleicht das 
allerfchönste aber von Murillos Madonne11: 
bildern ist das früher i1n Palast Sau Telmo 
CMontpensierJ zu Sevilla, jeHt im Besitz 
des Prinzen Anton von Orleans:Bourbon 
befindliche Gemälde, Welches unter dem 
Namen ,,die Jungfrau 1nit dem WjckeIbuHd 
Cde la fajaJU bekannt ist CAbb. 59J. Maria 
ist hier als die irdische Mutter aufgefaßt. 
Sie ist damit beschäftigt, das auf ihrem 
Schoße liegende Kind mit Windeln zu um: 
hüllen; neben ihr liegt das Wickelband. 
Aber zu den Seiten der so anmutig tnensch: 
licheu Mutter spielen himmlische Engel dein 
Kind auf Laute nnd Geige das Schlummer: 
lied, und kleine Cherubim schauen vergnügt 
aus den Wolken herab. 
Murillo hatte das sechzigste Lebens: 
jahr überschritten, als er sich entschloß, 
einem von auswärts an ihn gerichteten Er: 
suchen zu entsprechen u11d die Ausführung 
der Hochaltargemälde in der Kapuzinerkirche 
zu Eadiz zu übernehmen. Es war, soviel 
man weiß, das erste und einzige Mal seit 
der Jugendreife nach Madrid, daß er seine 
Heimat verließ. Dieses Altarwerk ist un: 
zerstört geblieben; es befindet sich in der 
an einem Platz an der See gelegenen Kirche 
des jeht in ein Jrrenhaus umgewandelten 
Klosters an seiner ursprünglichen Stelle. 
Man kann sich nach ihm eine Vorstellung 
davon machen, wie das allerdings aus einer 
größeren Anzahl von Ge1niilden zusammen: 
gefeHte Altarwerk zu Sevilla sich aufgebaut 
hat. Es find sechs Bilder, welche, durG 
Rahmen voneinander getrennt, die ganze 
Wand oberhalb des Altartisches ausfüllen. 
Ein großes viereckiges Mittelbild ragt bis 
weit in den Rundbogen hinein, mit welchem 
die Wand unter das Gewölbe tritt; da die 
Kirche auf den Namen der heiligen Katha: 
rina geweiht ist, wurde hierfür der Stoff 
aus deren Legende gewählt. Der über 
diesem Bild verbleibende, oben von einem 
Bogenabschnitt begrenzte Raum enthält eine 
Darstellung von Gott Vater, der segnend 
zwischen Engeln erscheint. Die seitlichen 
Felder, jedes ungefähr halb so breit wie 
das Mittelftück, sind an der Stelle quer ges 
teilt, wo die äußere Gefamteinfafsuug aus 
der Senkrechteu in die Rundung des Bogens
        

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