Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Hals
Person:
Knackfuß, Hermann Hals, Frans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3550304
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3550962
Franz 
Hals. 
seinen flüchtigstens Äußerungen mit siche: 
rem Griff zu erfassen und auf die Lein: 
wand festznbannen, auf dieser seiner Kunst 
faßte, wie das elegante, freilich mitnnter 
sich auch in recht gemischter Gesellschaft 
bewegende Gesellschaftsstück, so auch die 
nach der entgegengeseyten Seite sich 
wendende Schilderung des Bauernlebens 
in seiner Urwüchsigkeit und Derbheit und 
seiner tollen Festtagssreude. Was die 
Volks: und Bauernstiicke von Adrian 
Brouwer nnd Adrian von Ostade zu den 
höchstgeschätz,ten Erzeugnissen der hollän: 
dischen Genremalerei gemacht hat, die 
treffende Charakterzeichnung, das volle, 
frische Leben, der köstliche unbefangene 
Humor und nicht minder der feine Ton 
der Farbengebung, all diese Eigenschaften 
sind entwickelt und ausgebildet worden in 
der Schule des Franz Hals. 
Der alte Meister sah manchen seiner 
Schüler zum berühmten Manne werden, 
nnd manchen von ihnen sah er vor sich 
sterben. Er selbst aber arbeitete mit 
immer gleicher Frische und gleicher Le: 
bendigkeit weiter, wenn er auch anfing, 
aus der Mode zu kommen, da der Tages: 
geschmack sich mehr nnd mehr einer ins 
Kleine gehenden und in kleinem Maß: 
ftabe schaffenden Kabinettsknalerei zu: 
wendete. Auch in der Bildnismalerei 
wurden im allgemeinen jeHt solche Maler 
bevorzugt, welche alles aufs sauberste 
und sorgfältigste ausarbeiteten, nnd auf 
sorgfältige Ausführung ließ der alte Hals 
sich nicht mehr ein, dem es geniigte, 
wenn er mit möglichst wenigen Strichen 
ein möglichst lebendiges und spreche11des 
Abbild einer Persönlichkeit gegeben hatte. 
Doch fehlte es noch keineswegs an Leu: 
ten, welche die künstlerische Überlegenheit 
des Meisters der Bildniskunst über die 
Jüngeren wiirdigten nnd sich durch die 
breite und hastige Art seiner Malerei, 
durch das nnverhüllte Zeigen des male: 
rischen Machwerks nicht abhalten ließen, 
bei ihm ihre Bildnisse zu bestellen und 
dadurch ihre Erscheinung mit einer Le: 
bendigkeit auf die Nachwelt gebracht zu 
sehen, wie sie auch den tüchtigsten an: 
deren Bildnismalern kaum jemals er: 
reichbar war. .Von.Franz Hals in den 
fünfziger Jahren gemalten Bildnisse sind 
noch in zien1licher Anzahl vorhanden. 
Sie beweisen, daß der Siebzigjährige 
noch nichts eingebüßt hatte an seinen 
kiinstlerischen Fähigkeiten, weder an der 
Kraft nnd Schärfe der geistigen Auf: 
fassung, noch an der unfehlbarenSicher: 
heit von Auge und Hand. Es sind fast 
ausnahmslos Meisterwerke ersten Ranges, 
die ebenbürtig neben den Werken seiner 
besten Jahre stehen. Dahin gehört im 
Berliner Museum das mit der Jahres: 
zahl 1656 bezeichnete Brustbild des 
Tyman Oosdorp, aus dessen kräftig ge: 
formtem Gesicht eine ständige herbe Ver: 
drossenheit spricht CAbb. 36J. In Ab: 
bildung 37 ist ein in der Sammlung der 
Ermitage zu St. Petersburg befindliches 
Bildnis wiedergegeben, welches, nach dem 
Schnitt des langen Haares nnd nach der 
Form des steifen Filzhutes zu schließen, 
gegen Ende der fünfziger Jahre oder 
noch etwas später entstanden ist. Wie 
überzengend offenbart sich uns das Wesen 
dieses augenscheinlich den besten Ständen 
angehörigen Mannes, der, obgleich er 
kaum das fünfunddreißigste Lebensjahr 
überschritten hat, doch schon so müde in 
das Leben blickt, der es nicJt für der 
Mühe wert gehalten hat, für die Por: 
trätsiHung einen frisch geplätteten Kragen 
anzulegen, und der so nachlässig schief auf 
dem Stuhle siHt, aus dessen durch den 
überfallenden Mantelkragen verdeckte Rück: 
lehne er sich mit dem ganzen Oberamt 
anfstiitzt. Wie wunderbar hat der Maler
        

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