Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Lehranstalten zu Gunsten der bildenden Künste
Person:
Meyer, Heinrich Schuchardt, Christian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3532784
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3533178
Zeichenfkhulen. 
Der Vorsteher nnd Lehrer bei einer solchen Anstalt hat zwar 
nicht den weiten Umfang von Kenntnissen nothwendig, wie die 
Lehrer und Vorsteher an der Akadeinie der Künste, hier gilt es 
nicht Künstler zu bilden, sondern blos Menschen, von mehr nnd 
weniger Fähigkeiten, mit den Formen und mit der Fertigkeit sie 
nachzuah1nen in so fern bekannt zu machen, als solches nach 
eines jeden Bestimmung im bürgerlichen Leben nothwendig ist. 
Demohngeachtet muß der Mann ein geschickter Künstler seyn, 
und es ist Pflicht, mit Sorgfalt und ohne Gunst den besten zu 
wählen, der sich nur findet; denn je mehr er selbst versteht, je 
besser und zwecfk1näßiger wird sein Unterricht seyn. Er sollte 
wenigstens hinlängliche Fähigkeit und Wissenschaft besitzen, um 
diejenigen Schüler, welche vorzügliche Talente zeigen und sich 
deswegen, der Kunst ganz widmen wollen, mit den Anfangs: 
gründen bekannt zu machen nnd sie so weit heranzuziehen, bis 
sie für höhere Lehren empfänglich werden. Dieses ist desto wlin: 
schenswerther, weil von der guten oder schlechten Beschaffenheit 
des ersten Unterrichts unge1nein viel abhängt. Es giebt leideri 
in unsern Tagen nur wenige Künstler, denen die Wohlthat gu: 
ter und zweckmäßiger Anweisung, gleich von Anfange an, zu 
theil geworden ist, und diejenigen, welche dieses Glück zufällig 
genossen haben, werden sich gewiß als vorzüglich auszeichnen. 
Die erste Eigenschaft, die wir dem Lehrer einer Zeichen: 
schule wünschen ist, daß er, von dem Nutzen, den er im allge: 
meinen stiften kann nnd soll, überzeugt, sein Amt hoch achte 
und darum mit Fleiß und Liebe vermalte. Es ist ein übel an: 
gebrachter kleinlicher Stolz, der gemeinlich den mittelmäßigen 
Künstlern anklebt, daß sie sich zu wichtigen Unternehmungen be: 
rufen glauben, für die Stelle zu gut dünken, welche sie eben 
bekleiden, und daher nachlässig sind. Dieses ist ebenfalls ein
        

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