Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ideen über Zeichenunterricht und künstlerische Berufsbildung
Person:
Hirth, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3532136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3532576
funden hat,  wesentlich heidnisc7e Impulse, die zu den 
Ideen des dogmatischen Christenthums geradezu im Gegen: 
saß stehen. Der christliche Tempel wird der Kunst immer 
nur bis zu einem gewissen Grade 2lusgangs: und Sammel: 
punkt sein können  der Kultus der Schönheit an Ach und 
der Lebensluft hat hier von Rechtswegen keinen Raum. 
Alles, was wir thun können, ist, daß wir aus diesem Kultus 
so viel als möglich herübernehmen. 
Ein anderes sehr wichtiges Moment ist die Ueber: 
Iieferung  oder besser die Kontinuität sUnunterbrochen: 
heitJ derselben. Auch wir haben uns ja auf dem Wege 
des Studiums wieder in den Besitz von alten ,,Ueber: 
lieferungenU gesetzt; wie sehr verschieden aber diese von 
der lebendigen, von Geschlecht auf Geschlecht forterbenden 
Kunstübung End, beweist schlagend die Schreckgestalt, welche 
im Großen und Ganzen die deutsche Renaissance in den 
Händen unserer modernen Bauhandwerker angenommen 
hat. Mit wenigen riihmlichen 2lusnahmen darf man von 
den letzteren sagen, daß sie beim besten Willen eigentlich 
nur die Grammatik der Ornamente auswendig gelernt 
haben, mit denen sie nun eine geradezu ünnlose Verschwendung 
treiben. Den Unterschied zwischen dieser 2lrt von künstlich 
geziichteter und der lebendigen Ueberlieferung zeigt uns ein 
Blick auf die heute noch in alten Geleisen fortschreitende 
iapanische Kunst. Aber gerade hier wird uns bei näherem 
Zusehen eine Aufklärung, die vielleicht auch für uns von 
großem Nutzen sein kann: wir bemerken nämlich, daß die 
heutigen Japanesen bei den bildenden Künsten im Wefenti 
lichen noch denselben Cehrgang, dieselben Wege der Berufs: 
bildung innehalten, wie ihre Vorfahren vor tausend und 
mehr Jahrenl Das scheint mir so hervorragend wichtig, 
daß ich die Ueberzeugung auszusprechen wage: man belasse 
jenem Volke seine religiösen und ethischen Ideale; man 
lasse die Kontinuität seiner Kunstiiberlieferungen unangei
        

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