Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ideen über Zeichenunterricht und künstlerische Berufsbildung
Person:
Hirth, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3532136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3532404
No 
Cletztere seit RGO; von menschlichen Körpertheilen hatten keinen 
anderen Zweck; wenn auch später die Z17antuanische Richt: 
ung des Zl7antegna sum t500J das Studiren nach GYpsi 
abgiissen antiker Reliefs 2c. begünstigte, so handelte es ßch 
hier wie bei ähnlichen Strebungen im x6. und l7. Jahr: 
hundert vielmehr um die Geschniacksbildung. Der Wider: 
sinn beginnt erst, sobald nach GYps ,,Natur gezeichnettt 
werden soll. Wer nac2 Gyps zeichnet, wird immer etwas 
anderes wiedergeben, als die Natur, weil dort nicht blos 
die Tokalfarben, sondern auch die stofflichen Eigenarten der 
Gegenstände verändert erscheinen. Wenn wir z. B. gleich: 
zeitig eine lebende Hand und einen von derselben genommenen 
Gypsabguß, beide in gleicher Lage und Beleuchtung, photo: 
graphiren, so werden durch die Photographie sobschon, bei; 
läufig bemerkt, in einer etwas anderen Werthung der Farben: 
strahlen des Spektrums als He der menschliche Sehapparat 
giebtJ beide Objekte auf dieselben Cichtäquivalente reduzirt, 
der zeichnerische Eindruck beider Bilder ist aber ein 
durchaus verschiedener. Noch auffallender würde der Unter: 
schied zwischen der Photographie eines durch die 2lugensterne 
belebten 2lntlitzes und derjenigen des entsprechenden GYps: 
abgusses hervortreten. Ich erinnere an die köstlichen, Köpfe 
Hans Holbeins d. J., wo bei allseitig gleicher Beleuchtung 
fast lediglich durch sichere Zeichnung der Tokalfarben der 
lebensvollste Ausdruck erzielt ist. Ein vollbeleuchtetes Gypsi. 
gesteht dagegen zeigt uns eine einzige charakterlose weisse 
Fläche, während bei einseitiger Beleuchtung desselben un: 
natürlich scharfe Schatten und Konturen entstehen. Um 
Schlimmsten kommen dabei zarte weibliche Formen und 
Farben weg. Der GYpsabguß enthält von der lebenden 
Wirklichkeit eben nur die Begrenzung der Oberflächen und 
dieses Eine giebt er in entstellter Weise wieder; die eigen: 
thümliche Durchsichtigkeit und der weiche Glanz der Haut, 
das ,,5Lebentt der Oberfläche ist verschwunden. Vielleicht
        

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