Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Natur und Kunst
Person:
Sterne, Carus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3526346
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3530031
,fabelwesen. 
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lichen Oberkörper auf einem bocksähnlichen Unterkörper zu 
erschaffen, eine Gestalt, durchaus pathologisch, aber keines: 
Wegs naturwidrig. Wie würde sie sonst aus der heidnischen 
Mythologie in das personificirende Dogma und die bildende 
Kunst des Christenthums hintibergetragen und in den körper: 
lichen Attributen des Teufels auf Jahrtausende hin erhalten 
worden seinlU 
Die in solchen Gestalten versuchte Verschmelzung eines 
menschlichen Oberkörpers mit thierischem Unterkörper gab 
vielleicht der griechischen Kunst erst den Anstoß, sie im Cen: 
taurenbilde weiter zu steigern. Ueber den Ursprung dieser 
Mischgestalten haben die Archäologen die verschiedenartigsten 
Vermuthungen aufgestellt. Früher war die Idee vorherr: 
sehend, das Urbild der Centauren bei thessalischen Hirten: 
und Reitervölkern zu suchen, die untrennbar mit ihren Rossen 
verwachsen erschienen und, wie es noch jetzt die römischen 
Ochsenhirten der Campagna pflegen, die Biiffel mit einer 
Art Stachelspieß zusammentrieben, Von dem griechischen 
kente0 Ach sporne oder treibe anJ glaubte man leicht den 
Namen Kentaur0s CStierstachlerJ ableiten zu können, allein 
neuere Untersuchungen von Kahn und E. H. Meyer haben 
es höehst wahrscheinlich gemacht, daß die Centauren vielmehr 
mit den indischen Gandharven, weldhe den Göttern den Be: 
geisterungstrank vorenthielten, zusammenhängen. Sicher ist, 
daß der Centauren bei Homer und Pindar nur als Ver: 
tretern eines wilden, halbthierischen, nach Wein und Weibern 
liisternen Stammes gedacht wird, ohne daß irgend eine An: 
deutung vorkäme, wonach sie schon damals als Mischgestalten 
von Mensch und Pferd vorgestellt worden seien. Aeltere 
Bildwerke CFig. 62J zeigen Centauren als Satyre mit langen 
Pferdeschwänzen, aus späteren kann man das Zusammen: 
wachsen von Pferd und Mensch fast schrittweise verfolgen 
CFig. 63j. Erst später kam es den Künstlern gelegen, die
        

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