Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Natur und Kunst
Person:
Sterne, Carus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3526346
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3529556
die 
und 
Der Heliotropismus 
Künstler. 
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Die Jndier symbolisirten durch diese Blume die Schöpfung 
der lebendigen Welt, die ja ohne Sonne nicht denkbar wäre, 
und Vrahn1a der Schöpfer, oder Joni und Lingam, die 
Symbole der Schöpfung schwimmen in ihrem Kelche. So 
tief ist die Verehrung bei diesem Volke, daß ein geborner 
Nepalenser sich tief verneigte, als er im Studirzimmer des 
Asienforschers JonesZ einst die geheiligte Blume erblickte. 
Bei den meisten indogermanischen Völkern finden sich 
Spuren eines alten Märcheni3 von einer Geliebten des 
Sonnengottes, die in eine Blume verwandelt wurde und 
sich nunmehr blos öffnet, wenn derselbe am Himmel steht, 
und seiner Bewegung rings um das Himmelsgewölbe folgt. 
Schon auf einer alten Rhodischen Münze erblickt man auf 
der einen Seite ein Helioshaupt mit Strahlen, auf der 
andern eine große geöffnete, anscheinend fünfblättrige Blume, 
einer wilden Rose oder Granate vergleichbar, zu beiden 
Seiten davon links eine weibliche Gestalt mit einem Zweig in 
der Hand, rechts ein Zweig mit geschlossener Blüthe. Ovid 
hat aus dieser alten indogermanischen Sage von der in 
eine Blume verwandelten Geliebten des Sonnengottes seine 
anmuthige Dichtung von der Klytia entwickelt, die vom 
Sonnengotte verlassen wurde, nachdem sie aus Eifersucht 
seine Besuche bei einer andern Nymphe den Eltern derselben 
verrathen hatte. Sie aber schwand vor Kummer dahin, 
härmte sich, Speise und Trank verschmähend, auf kahler 
Erde neun Tage hindurch, bis der Sonnengott sie in die 
Blume verwandelte, die des ,Trostes genießt, ihm immer mit 
ihren Blicken folgen zu dürfen: 
Nie auch wich sie vom Platz. Zum Gesicht des wandelnden Gottes 
Schaute sie nur, Und wandte nach ihm sich stets mit dem AntliH. 
Haften verblieb, wie es heißt, am Boden ihr Leib, und die fahle 
Bläss7 entfärbt sich zum Theil zu saftentbehrendem Kraute; 
Röthe zeiget ein Theil, und veilchenähnlirhe Blume
        

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