Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Natur und Kunst
Person:
Sterne, Carus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3526346
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3528933
der darstellenden 
Die Grenzen 
kunsEs 
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scheuten sich nicht, zeitlich auseinander liegende Handlungen, 
wie Verkündigung der Geburt Christi an die Hirten, An: 
betung der Hirten nnd womöglich noch Ankunft der heiligen 
drei Könige in ein Bild zusammenznziehen, oder sie gaben 
den Fortschritt der Handlung in mehreren, unmittelbar zu 
einem Ganzen vereinigten Einzelnbildern. So hat Ghi: 
berti auf einem jener schönen Reliefs, welche die Thüren 
des Florenzer Baptisteriums schmücken, und von denen 
Michel Angeln sagte, sie seien würdig, die Pforten des 
Paradieses zu zieren, in einem und demselben Landschafts: 
bilde die Erschaffnng der Welt, die Bildung des Adam ans 
dem Erdkloß, die der Eva aus Adams Rippe und den 
Siindenfall, also vier verschiedene Vorgänge dargestellt. Die 
älteren Maler, Holzschnittzeichner und Kupferstecher ließen 
außerdem aus dem Munde der handelnden Personen Spruch: 
bänder ausflattern oder in ihren Händen schwenken, auf 
denen die von den handelnden Personen ausgehenden Worte 
standen. 
Nur allmählich kam den mittelalterlichen Künstlern die 
Erkenntniß, daß man in den bildenden Künsten, die man 
genauer als Fläch enkünste LMalerei, Kupferstich, HolzschnittJ 
und Raumkiin sie CArchitektur, Bildhauerei, Reliefl1ildnereiJ 
von den zeiterfüllenden Künsten sMusik und Poesie; 
trennen sollte, immer nur eine Haupthandlung und von dieser 
wieder nur einen einzigen Moment wiedergeben kann, und 
daß es nicht immer richtig ist, dazu den Hanptmon1ent zu 
wählen. Denn nicht jede Stellung und Lage ist gleich 
schön und berechtigt von den Flächen: und Raumkünsten 
festgehalten zu werden, bei Märtyrerbildern z. B. wird man 
selten den Todesaugenblick wählen, der in der dichterischen 
Darstellung das höchste Pathos heransfordert, weil er erst 
dem Märtyrer seine Krone verschafft. Allein wir wollen 
die schmerzverklärten Züge des Dulders, nicht die verzerrten
        

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