Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Natur und Kunst
Person:
Sterne, Carus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3526346
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3527950
KImsttriebe bei Thieren. 
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verbergen liebte. Kam er einem glänzenden Ringe nahe, so 
absorbierte dieser seine ganze Aufmerksamkeit. Er versuchte 
den glänzenden Stein herauszuneh1nen, leckte denselben mehr: 
mals nnd suchte den leuchtenden Punkt auf demselben mit 
den Fingern zu entfernen. Wenn er nach langen Mühen 
die Versuche scheitern sah, ging er resignirt fort. Während 
dieser ganzen Operaiion bewegte er die Lippen und die Zunge 
unaufhörlich, ungefähr so, wie Kenner es thun, wenn sie 
einen neuen Leckerbissen versuchen und, Um auf den richtigen 
Geschmack zu kommen, rasch die Zunge und die Lippen in 
Bewegung versetzen.H 
In allen diesen Fällen läßt sich nicht viel mehr als ein 
Gefallenfinden der geistig höher stehenden Thiere an glänzenden 
oder schöngefärbten Dingen und an angenehmen Klangver: 
bindungen feststellen, durch welches aus der einen Seite der 
Spieltrieb, auf der andern die Nachahmungssucht in Anregung 
versetzt werden. Aber man kann nicht daran zweifeln, daß 
hierin Vorstufen und Anfänge des Kunsttriebes gegeben sind, 
denn bei wilden Völkern äußert sich der Kunstfinn in ähn: 
licher Weise und man hat darauf aufmerksam gemacht, daß 
die Lands:leute der Lauben: und Gärtner:Vögel ihre Hütten 
und Versammlungshäuser nicht so geschmackvoll verzieren, 
wie diese Thiere es thun. Es besteht nämlich der Unterschied, 
daß der Kunstdrang beim Menschen zunächst auf wirkliche 
oder ver1neintliche Verzierung der eignen Person ausgeht 
und damit gewissermaßen den Gang der Natur unterbricht, 
welche die Verschönerung der Rasse nur durch die Auswahl 
der an sich selbst vollkommneren Person anbahnte. Erst später 
gesellt sich der Wunsch hinzu, die Umgebung und die Gegen: 
stände des täglichen Gebrauchs ebenfalls aus3zusch1nticken.
        

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