Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Text
Person:
Lübke, Wilhelm Lützow, Carl von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3555413
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3559994
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Fiix2ktsi Abschnitt. 
klassische Richtung, allein durch seinen kühnen und.gewaltigen Geist 
zur Auffassung des Lebens in den leidenschaftlich erregten Momenten 
hingetrieben, wurde er der erste Schlacl1tenn1aler aller Zeiten. Als.ents 
schiedenster N aturalist lässt.er sich nur von seiner unvergleichlich scharfen 
Beobachtungsgabe leiten, die ihn die Dinge so erfassen und darstellen 
heisst, wie sie sich im Augenblick zeigen. Ein Gegner des idealen 
Styles, verschmäht er die Principien einer strengeren Oomposition, indem 
er die Zufälligkeit des Momentes wirken lässt, dabei aber, besonders 
durch Hülfe seiner Meisterschaft im Oolorit und im Vertheilen von 
Schatten und Liebt, die zahlreichsten Gruppen auf den ausgedehutesten 
Plänen mit uniibertrefflicher Klarheit und Deutlichkeit schildert. Bei 
einer ungemein resoluten, in7s Grosse gehenden Technik, die ihn in 
wahrhaft unbegreiiiicher Schnelligkeit seine riesigen Bilder vollenden lässt, 
besitzt er zugleich eine solche Kenntniss und Sorgfalt fiir9s Einzelne, dass 
ihm auch nicht das Geringste entgeht, dass er Alles bis auf die Kleinigs 
keiten der Uniformen u. dgl. auPs.Gewisscnhafteste darstellt. Stets weiss 
er mit Leichtigkeit neue Motive zu ersinnen und in voller Anschaulichs 
keit und Wahrheit des Lebens zu gestalten. In der Darstellung des 
Pferdes besonders nach der Verschiedenheit der Backen, dem 0harakteris 
stischen der Bewegung. und.s selbst. dess.physicgnomisehen Ausdrucks serss 
reicht ihn unter den Lebenden Keiner. Den grössten Ruf haben ihm 
seine meist kolossalen Bilder aus den Kriegen in Algerien, wie die Bei 
lagerung von 0onstantine, der Ueberfall der S1nala AbdselsKader7s und 
die Schlacht .bei Isly Csämmtlich im historischen Museum zu VersaillesJ, 
erworben. Aber auch die mannigfaltigsten anderen Stoffe sind von ihm 
behandelt worden: so manche populären Scenen und Motive aus den 
Napoleonischen Kriegen, so das berühmte Bild des Mazeppa C1826J, ferner 
aus der römischen Zeit, während Vernet der französischen Akademie zu 
Rom als Direktor verstand Even 1828 anJ Seenen aus dem Leben Rafael9s 
und Miehelangelo,s, wie Vorgänge des modernen Banditentreibens, sodann 
biblische Darstellungen, denen er, durch Anwendung des heutigen Arabers 
und Beduinenkostiims einen pikanten Reiz zu geben suchte, endlich kösts 
liche afrikanische Genrebilder, wie das Gebet der Araber, die Eberjagd 
in der Sahara, die Iiöwenjagd in der Metidja u. s. w. Zu seinen neuesten 
Bildern gehört die Darstellung der Einnahme Roms durch die Frans 
zosen C1852J.  
F1G. 7. Crons1weI1 am singe Is:arlIs 1., von Paul Dels.roel1e.  Einer 
der entschiedensten Vorkämpfer des französischen Realismus war Paul 
Delaroche, geb. 1797 zu Paris, gest. 4. Nov. 1856,..Anfangs als. Schüler 
von le Gros in akademisehsklaJssischer weise sich bewegend, seit 1826 
aber mit immer grösserer Entschiedenheit sieh eigene Bahnen brechend, 
die ihm den Ruhm eines der gefeiertsten Geschiehtsmaler der Gegenwart 
verschafft haben. Aber innerhalb dieses Gebietes hat er sich einen engen 
Kreis ganz besonderer Aufgaben gewählt. Leidenschaftlich erregte Hands 
lung, dramatische Bewegung, das Aufeinanderplatzen streitender Ges 
walten ist nicht seine Sache. Er verlegt die Schaup1ätze der Leidenschaft 
ins Innere und. sucht vornehmlich in den.Gesichtszijgen mit eindringens
        

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