Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519913
eben lächerlich groß; in seiner Ausdehnung über die Grenze 
hinaus gestaltet, wo das Erhabene das Schöne nicht er: 
höht, sondern aufhebt, er war maßlos. Der Jnhalt, die 
Bestimmung eines Kunstwerkes sind maßgebend für seine 
räumliche Ausdehnung. Man mache doch die Probe und 
reducire den Straßburger, den Freiburger, den Stephans: 
thurm U. s. w. zu einem Bildwerke, das auf einem Tische 
von mäßiger Länge hinlänglich Raum hat, und man wird 
finden, daß man ein erhabenes Kunstwerk zu einer Nipp: 
sache degradirt hat. Freilich, das Gleichgewicht, das Eben: 
maß in der Anordnung der Theile eines Kunstwerkes führt 
dazu, daß ein solches von der gewaltigften Ausdehnung 
doch nicht als 1naßlos erscheint, wenn nur die Dimensionen 
nicht über jede Glaubwiirdigkeit hinaus erweitert sind. Ein 
schlagendes Beispiel dafür haben wir in der Geschichte der 
Monumentalbauten, wenn wir die Peterskirche in Rom 
oder die Kirche St. Paul in London betrachten. Wir 
glauben an die Erhabenheit dieser Kunstwerke, indem wir 
sie anschauen, und ihre Verhältnisse erscheinen uns so 1naß: 
voll, daß wir nirgends durch ihre Größe befremdet oder 
erniichtert werden. In dieser wichtigen Bemühung, das 
Geheimnis; der Form zu ergründen, muß, wie in allen 
Dingen der menschlichen Erkenntniß, die Betrachtung der 
Natur, wie sie von unserem Wahrnehmungsvermögen auf: 
gefaßt wird, unsere Lehrmeisterin sein. Lionardo muß dies: 
falls immer wieder citirt werden, weil einer der unfterb: 
lichen Aussprüche dieses universellsten aller Künstler diese 
Wahrheit so scharf formulirt wie kaum ein anderer. 
Lionardo sagt nämlich, an die Natur muß man sich immer 
halten, wenn man etwas Wahrscheinliches gestalten will, 
so daß alle Menschen daran glauben. Ob wir nun ein 
Kunstwerk der Architektur, der Plastik oder der Malerei ins 
Auge fassen, wir werden, wenn es unser Wohlgefallen er:
        

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