Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3523875
ge1nein gepriesen werden. Die schwankenden Stim1nungen, 
die Nervenüberreizungen histerischer Frauen, die Offen: 
l1arnngen, welche solchen krankhaft veranlagten Persönlich: 
seiten vielleicht durch einen sechsten Sinn, der nur ihnen 
zu eigen ist, znkounnen, kiinstlerisch zu Veranschauliehen, 
ist ein ebenso verkehrtes Beginnen als das Bestreben über: 
haupt, pathologische Zustände als würdigen Gegenstand der 
Kunst aufzufassen nnd in Verwendung zu bringen. Solche 
von abnorn1aler Nerventhütigkeit heiu1gesnchten Personen 
sehen allerdings Dinge, die kein gesundes Auge jemals er: 
blickt hat, und sie reden sich ein, daß die Gebilde, welche 
durch derartige Anregungen entstanden sind, eben das für 
sich haben, daß sie gesunden, in ihren Augen gewöhnlichen 
Menschen unverständlich sind. Sie verwechseln immer klaren 
Sinn mit Flachsiun, Undeutlichkeit und Unbestimmtheit mit 
tiefem Sinn. Eine Kunst von Weibern und nur für Weiber 
geschaffen, kann es nicht geben, weil alle Kunst zwar rein 
menschlich, aber geschlechtslos ist. Gerade nur das, was den 
Männern und Frauen gemeinsam ist an Liebefähigkeit, 
Anfopferungsfähigkeit, Feinfühligkeit für Stimn1ungen und 
Gefühle, ist der Hauptgegenstand künstlerischer Darstellung 
gewesen nnd wird es in aller Zukunft bleiben. Auch muß 
man betonen, daß die ausgezeichnetsten Kiinstlerinnen ihre 
Erfolge im Kunstsehaffen nicht zum geringen Theile dadurch 
erreicht haben, daß sie ihre Weibliehkeit demselben in nicht 
geringem Grade zum Opfer brachten. 
Von den Kämpfen, welche sie diesfalls zu bestehen 
haben, geben gerade die Biographien der Alterersten und 
der :7lllerbedeutendsten unter ihnen untrügliche Beweise. 
Wenn diese kurze allgemeine Andeutung nicht genügt, 
so rathen wir beispielsweise nur die Lebensgeschichte der aus: 
gezeichneten Malerin Angeliea Kaufmann oder die zehn Blinde 
Memoiren der wiederholt genannten Georges Sand durch:
        

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