Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3523813
werte nicht nur nicht mit Gewinn, sondern geradezu mit 
Verlust weitergehen. Wie viele Stunden, wie viele Reden 
sie verwenden 1niissen, um ernst zu nehu1ende Känfer für 
ihre Ansicht zu gewinnen, das weiß ein jeder, der ernstlich 
den Arbeiten des Kunsthiindlers nachgegangen ist. Das ist 
auf allen Gebieten der Kunst so; einer der ausgezeichnetsten 
Kn11stindustriellen Wiens, der in Amerika, in England und 
in Frankreich einen großen Namen hat, beschäftigt für sein 
Etablissement seit Jahren hervorragendstc Architekten, nnd 
bei wiederholten Rundgiingen in diesem Etablissement ist es 
uns mehr als einmal geschehen, daß gerade jene Objeete, 
welche durch künstlerische Feinheit unsere volle Bewunderung 
erregten, von dem Chef als solche bezeichnet wurden, an 
denen er sein Geld verloren habe. Es giebt eine berechtigte 
Originalität in der Kunst, welche anfänglich auf den Be: 
schauer, wenn er auch ein experimentirter Kunstfreund ist, 
befremdend wirkt, und solche freilich geht unter. An Bizar: 
rerie streifende Eigenart muß jahrelang immer wieder der 
Betrachtung des Publicums zugeführt werden, um endlich 
nach ihrem vollen Werthe erkannt und gewürdigt zu werden. 
Nun drängt sich ja jedem Unbefangenen die Frage auf: 
Was würde aus einem derartigen Künstler, der eben nicht 
so geartet ist, daß er dem herrschenden Geschmacke gleich 
zugänglich wird, werden, wenn er nicht als Mittelglied für 
das Verständnis des Publicums den Kunsthiindler hätte, 
der sich ebenso wohl im eigenen Interesse als im Jnterefse 
des Künstlers dafür einsetgtP 
Jeder Liebhaber strebt danach und soll danach streben, 
Kunstkenner zu werden. Das einzige Mittel dazu ist  wie 
gesagt  daß er sehen lernt, und um dies zu erreichen, 
muß er vor allem die Stärke haben, sich nicht einen besseren 
Geschmack anzulügen, als er besitzt. Wer von Anfang an 
nur kauft, was ihm gefällt, der wird bei der Betrachtung 
28ss
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.