Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3523364
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Kunstakademicn, 
Privatschulen, 
Mäeene. 
Ausftellungswefen, 
seine Art die einzige berechtigte sei. Betrachten wir die ans: 
gezeichnetsten Männer auf allen Gebieten der 1nenschlichen 
Thätigkeit, so werden wir immer finden, daß sie dasjenige, 
das von ihnen mit Erfolg bearbeitet wird, für das Alter: 
wichtigste der Menschheit halten, und es ist keine Ueber: 
treibung, wenn man sagt, daß jeder gute Handwerker sich 
für den Vertreter der wichtigsten menschlichen Thätigkeit 
hält. Um wie viel mehr wird ein Künstler von Begabung 
die Ueberzeugung in sich tragen, daß seine Art, die Dinge 
aufzufassen und darzustellen, seine Weltanschaunng nnd der 
von ihm beliebte Ausdruck derselben die einzig richtigen 
seien. Aus Uebermenschliche streifende Talente haben auch 
immer, wir möchten sagen, eonfiscirend aus die Eigenart 
ihrer Schüler gewirkt. So sind ganze Reihen von Künstlern 
entstanden, welche eigentlich Nachschaffende und Nachtreter 
waren. Daraus ergiebt sich die Regel, daß selten, ja bei: 
nahe nie ein großer sehaffender Künstler auch ein bedeutender 
Lehrer ist. Ausnahmen, die man ja ohne Zweifel anführen 
kann, bestätigen die Regel. 
Andererseits ist es unzweifelhaft, daß nur derjenige 
Lehrer die für seine gedeihliche Wirksamkeit bei den Schülern 
nöthige Autorität besitzen wird, welcher auch als schaffender 
Künstler bei diesen in hohem Ansehen steht. 
Wir wissen in der Kunstgeschichte der neueren Zeit 
eigentlich gar keinen Lehrer, der beide Eigenschaften in 
solchem Maße besessen hätte wie Karl von Piloth. In der 
Regel tragen, wie gesagt, die Schöpfungen der Schüler un: 
verkennbar auch noch lange Zeit, nachdem es ihnen gelungen 
ist, sich auf eigene Füße zu stellen, den Stempel der Eigenart 
des Meisters an sich. Bei Karl von Piloty aber war 
geradezu das Gegentheil der Fall, nnd deshalb wird es 
immer wieder eine Pflicht sein für die Geschichte der Ent: 
wickelnng der modernen Kunst, dieses Mannes mit den ver:
        

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