Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519640
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Das 
und 
Schöne 
die 
KuUsks 
von einem seiner Freunde begleitet, in der Meinung zurück, 
daß er seine Frau ebenso in Thränen gebadet wieder finden 
wird wie sie war, da sie ihm den letzten Abschiedskuß auf 
die Lippen drückte. Er kam an, ftürmte in sein Haus, fand 
dort wohl das Document, aber auch eine gräßliche Ent: 
täuschnng seines Glaubens an seine Gemahlin. Es war gar 
kein Zweifel, er hatte sie in ihrer Treue überschätzt. Er ritt 
also heftig bewegt fort, zurück zu seinen Begleitern und 
kam nach Spanien, keineswegs so schön wie er gewesen, 
bevor er auf die Reise gegangen. Die Kränkung hatte sein 
blühendes Aussehen welken gemacht und der spanische König 
lächelte mit einer Art von Siegesfreude, als er den Mann, 
der als der schönste Italiens galt, vor sich fah mit ab: 
gehärmten Wangen und einer iiberschlank gewordenen Gestalt. 
Trotzdem empfing er ihn sehr freundlich und vielleicht noch 
freundlicher als dies geschehen wäre, wenn er den italienischen 
Cavalier im Vollbesitze seiner Schönheit zu Gesicht bekommen 
hätte. Dieser wurde anfänglich mit jedem Tage blässer, 
kränker und weniger schön, allein das Blatt wendete sich. 
Der König hatte ihm als besondere Ehrenbezeigung die 
Gemächer neben seiner Gemahlin angewiesen. Anfänglich 
war der Cavalier nur mit seinem Kummer beschäftigt und 
hatte für sonst nichts Auge und Ohr. Ein Zufall wollte 
es, daß sein Schlafgemach an jenes der Königin stieß. Ein 
unheimliches Geräusch, das sich dort immer in den Nach: 
mittagsstunden hörbar machte, fiel ihm endlich auf und er: 
weckte seine Neugierde. Er bohrte ein Guckloch in die Wand 
und sah in dem Gemache der Königin eine Scene zwischen 
dieser nnd dem Lieblingszwerg des Hofes, welche ihm die 
Ueberzeugung. beibrachte, daß er nicht der einzige schönste 
Mann Europas sei, welcher mit Hirschgeweihen gekrönt sei. 
Von der Stunde und dem Tage an gewann er zusehends 
seine frühere Schönheit, welche so mächtig wuchs, daß es
        

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