Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3522249
278 
Die Kleinkunst. 
Schüler an seiner Wirksamkeit für das genannte Atclicr 
theilnehmen zu lassen. So war dies auch bei dem gegen: 
wärtigen Hofrath und Professor an der Knnstgewerbesch11le 
des österreichischen Museu1ns, Architekt Stork der Fall, der, 
wie er mir selbst erzählte, nicht wenig für Girardet zeichnete. 
Dieser verstand die ihm von den Künstlern gelieferten 
Zeichnungen durch Congenialitiit in der Ausführung, in der 
Wirkung so sehr zu erhöhen, daß die Architektur mitnnter, 
selbst wenn ihnen ihre Entwürfc in vollendeter Ausführung 
als Werke des Knnstgewerbes vorgelegt wurden, ebenso über: 
ruscht als entzückt waren. Stark theilte mir darüber eine 
für Meister Girardet ebenso ehrende als charakteristische 
Geschichte mit. Der junge Baukünftler war in das Atclier 
gekommen, u1n ein nach seiner Zeichnung ansgeführtes 
Album zu besichtigen. Er war so erfreut über das Werk, 
daß er nicht u1nhin konnte, Girardet dies mit den Worten 
zu erkennen zu geben: ,,Nein, daß das so schön werden würde, 
habe ich wahrlich nicht zu hoffen gewagt.U Meister Girardet 
lächelte aber in seiner ruhigen Weise und erwiderte: ,,Es 
freut mich, daß Ihnen das so gefällt, aber ich bin nicht 
zufrieden damit, ich verwerfe das, nnd es muß das Ganze 
neu gemacht werden.H Das Object wurde nun allerdings 
noch tadelloser hergestellt, aber daß Girardet daran nichts 
gewann, ist wohl selbstverständlich, da der Preis im Vor: 
hinein mit den Kunden vereinbart war und jede Wieder: 
holnng natürlich die Kosten der Herstellung verdoppeln. 
Das kam wiederholt vor, 11nd diese Thatsache erklärt es, 
daß dieser bedeutende Vertreter der Kleinkunst trotz seiner 
langjährigen, uner1nüdlichen und mit glänzenden Erfolgen 
gekrönten Thätigkeit es niemals zum eigentlichen Wohlstand 
gebracht hat. 
Bei der Ausstellnng im Jahre 1855 in Paris waren 
er und August Klein, der in seinem Atelier geschnlt war,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.