Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3521467
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Plastik. 
Staatskunst, die er nach den Lehren Maeihiavelli7s übte, all: 
gemein angestaunt, gewann ebenso dadurch, daß er es ver: 
mochte, mit einem Schwerthiebe einem Pferde das Haupt 
vom Rumpfe zu trennen, das allergrößte Ansehen bei seinen 
Zeitgenossen. Ja dadurch, daß er einer der schönsten Männer 
seiner Zeit und zugleich einer der kräftigsten, wurde er trotz 
der Schandthaten, die er verübte, von den geistig Hoch: 
stehendsten seiner Zeitgenossen würdig befunden, ihrer Freund: 
schaft theilhaftig zu werden. 
Immer also ist die vollendete Darstellung des nackten 
Körpers eine Hauptaufgabe der Plastik gewesen, und stets 
war in Zeiten, in denen auf die körperliche Ausbildung 
neben jener des Geistes ein volles Gewicht gelegt wurde, 
das Verständniß für dieselbe am allgemeinsten und ver: 
breitetsten gewesen. Alle Kunst, Architektur ebenso wie Malerei, 
werden nur dann blühen, wenn den ausübenden Meistern 
würdige Aufträge zugeführt werden, und dies ist in den 
Zeiten, da die Plastik florirte, auch immer der Fall gewesen. 
Man hat ihr entweder dadurch, daß man Ideen, welche die 
Zeit bewegten, durch sie allegorisch versinnbildlichen ließ in 
Einzelfiguren oder in Gruppen, oder dadurch, daß man zum 
Gcdächtnifse hervorragender Staatsmänner, Krieger, Dichter 
nnd Denker durch sie Denkmale errichten ließ, stets in solchen 
Zeiten fördernd unter die Arme gegriffen. Ohne derartige 
Aufgaben kann eine bedeutende Plastik gar nicht entstehen. 
Da nun festgestellt ist, daß die Hauptaufgabe die Dur: 
stell11ng des Nackten ist, so ist auch hinzuzufügen, daß die 
Gewandung, deren sie sich zur Bekleidung der Figuren 
manchmal nothgedrungen bedienen muß, nur so ausgeführt 
werden darf, daß die Formen des Körpers dadurch weniger 
verhüllt, als vielmehr angedeutet werden. 
Diese Thatsache führt uns zur Erörterung eines 
sehr wichtigen Themas. In den Dreißigcr: nnd Vierziger:
        

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