Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Schöne und die bildenden Künste
Person:
Ranzoni, Emmerich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3519065
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3520588
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Der 
Ausdruck. 
setzen müssen, haben eine Aussenseite, als ob sie dazu dienen 
sollten, daß da ein Hohepriefter den versam1nelten Gläubigen 
feinen Segen spendet oder den ewigen Göttern opfert u. s. w. 
Damit soll ja nicht gesagt sein, daß diese Prachtbauten, ab: 
gesehen von dem dem Zwecke widersprechenden Ausdruck, 
nicht vortrefflich sein könnten; sie sind aber in einer Haupt: 
sache, in der nach außen dringenden Wahrhaftigkeit, welche 
die Seele eines jeden Gebäudes, ihren Zweck und ihre Be: 
sti1n1nnng veranschaulichen soll, verfehlt. An diesem Mangel 
litt auch das seinerzeit viel besprochene Project Heinrich 
von Ferstel7s für das deutsche Reichstagsgebäude, das unter 
dem Motto ,,BramanteU eingereicht war und in seiner 
architektonischen Außenerscheinung die Karlskirche von Fischer 
von Erlach darstellte. Feierliche Würde muß ja gewiß in 
einem Parlan1entshause zum Ausdrücke ko1nn1en, aber es 
darf nichts darin an die Kirche erinnern. Weil die Archi: 
tektur dem allgemeinen Berständniß im Ganzen und Wesent: 
lichen so fern ist, so wird es auch sehr wenig und nur von 
anserlesenen Kunstfreunden erkannt, daß in einem archi: 
tektonischen Kunstwerke von echter Qualität neben dem Aus: 
drucke seiner Bestimmung, seines Zweckes auch die Eigenart 
des Künstlers in schärfster Deutlichkeit sich auspräge. Das 
ist aber in der That so, und es wäre eben nicht schwer, 
nachzuweisen, daß hervorragende Vauwerke den Meister, 
der sie geschaffen, ebenso zum Ausdrucke bringen, wie dies 
 worüber ja kein Zweifel besteht  ausgezeichnete Dich: 
tungen in Bezug auf das Wesen des Künstlers, dem wir 
sie danken. Wir wollen uns aber diesfalls damit begnügen, 
auf die Thatsache hinzuweisen, daß die Mottos, welche an: 
statt der Namen bei Concurrenzen von Banplänen an: 
gegeben werden, für die Wissenden unter den Juroren kein 
Gehei1nniß verbergen, da ja die Pläne die Hand, welche sie 
gearbeitet, ebenso deutlich verrathen, als ob sich der Schöpfer
        

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