Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelo's
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3509978
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3510799
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Leben 
Michelangelo7s. 
Sweites 
Capitel. 
Medici suchte sich gegen den drohenden Sturm mit den 
Mitteln zu halten, deren seine schlaue und zu vollendeter Ver: 
stellung erzogene Seele fähig war. Sein Leben lang hatte er 
auf den verschlungensten Linien wandelnd die Interessen der 
Familie verfolgt. Jetzt, wo ihm Niemand mehr zur Seite 
stand, spielte er am feinsten. Soderini und Frankrei6h ver: 
sprachen den Bürgern das Consiglio grande, dieses Ideal, an 
dem die Florentiner hingen wie die Deutschen an der Jdee 
ihrer Einheit; auch er versprach es. Die geistreiche gelehrte 
Gesellschaft der Männer, welche im Garten der Rucellai zu: 
sammenkommend als eine Art ästhetisch liberaler Club ihre 
Eontrole über das Geschehende ausübten Cunter denen Mac: 
chiavelli eine der Hauptstimmen führte, und zu denen auch 
Michelangelo gerechnet wardJ, suchte Medici durch Gespräthe, die 
er mit Einzelnen von ihnen über die Entfaltung der florentiner 
Verfassung zur freiesten Form führte, an sich heran zu locken. 
Er forderte sie auf ihre Ansichten schriftlich zu begründen. Er 
suchte nicht minder die Anhänger Savonarolais mit Vertrauen 
zu erfüllen, die immer noch eine mächtige Partei bildeten. 
Schon war davon die Rede, unter welchen Modalitäten, ja 
an welchem Tage die neue Verfassung proclamirt werden 
würde. Jedermann hegte Hoffnungen, deren Mittelpunkt der 
freundliche, gefällige, uneigennützige Eardinal war, der ja selbst 
wenn er für seine Familie hätte intriguiren wollen, gar 
keine mehr besaß, der sogleich nach dem Tode Levis allen ge: 
fangengehaltenen Bürgern ihre Freiheit gegeben hatte, und der 
sich jetzt ja nur deshalb nicht entscheiden konnte, weil er nicht 
zu wissen schien, wie er die der Stadt zugedachte Wohlthat 
groß und schön genug gestalten sollte.
        

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