Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelo's
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3509978
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3515275
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Leben 
iJUichelangelo7s. 
Neuntes 
Eapitel. 
nach Florenz gebrac;t und dort begraben würde.  Man meint, 
die Erde müsse innehalten einen Augenblick in ihrem Laufe, 
wenn eine solche Kraft ihr entrissen wird. Glücklich diejenigen, 
die ihr Schicksal im Leben einmal das empfinden ließ. Denn so 
groß der Verlust ist, den sie erleiden wenn ein solches Herz plötz: 
lich still steht und die Augen sich schließen, die Alles durchblickten 
und überschauten: die Erinnerung an das, was der Mann gewe: 
sen ist, verleiht ihnen fiir immer eine höhere Ansicht der Dinge. 
Diejenigen, die Goethe kannten, bilden heute noch in Deutsch: 
land eine Unsichtbare Gemeinde. Die, welche Michelangelo noch 
gesehen und wäre es zuletzt nur die flürhtigste Begegnung gewesen, 
die sie ihm näher brachte, müssen es damals gethan haben. 
Wir besitzen den Bericht eines der Aerzte an den Herzog 
von Florenz. ,,Heute Abend, lautet er, verschied zu einem 
besseren Leben der ausgezeichnete und in Wahrheit als Wunder 
der Natur dastehende Messer Michelangelo Buonarroti, und 
da ich ihn mit den anderen Aerzten in seiner letzten Krankheit 
behandelt habe, vernahm ich seinen Wunsch, daß sein Körper 
nach Florenz gebracht würde. Außerdem, da keiner seiner Ver: 
wandten anwesend war und er ohne Testament gestorben ist, 
erlaube ich mir, Ew. Excellenz, der Sie seine seltenen Tugenden 
so sehr zu schätzen wußten, darüber Nachricht zu geben, damit 
der Wunsch des Verschiedenen zur Ausführung gelange und 
seine schöne Vaterstadt durch die Gebeine des größten Mannes, 
den jemals die Welt getragen hat, größere Ehre erlange. 
Rom, den 18. Februar 1564. 
Gherardo Fidelissimi aus Pistoja. 
Durch Ew. Excellenz Gnade und Liberalität 
Doctor der Medicin.
        

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