Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelo's
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3509978
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3513648
1Zeformation 
in 
Italien. 
341 
während den Romanen auch der ungewisseste Begriff sich in 
eine Gestalt zusau1menzieht. Wir damals wollten uns be: 
freien von diesem Göttersaal voll geformter Wesen, die uns 
fremd sein mußten, den Romanen aber mußten wir erscheinen 
halb wie tempelschänderische Zerstörer. Denn selbst die, welche 
Luther tiefer auffas3ten: als es zur Entscheidung kam: die 
Meisten vermochten das Unsichtbare nicht zu denken ohne das 
Sichtbare daneben. Darin liegt der. Grund, warum man den 
Lutheranern immer wieder weltliche Nebengedanken unterlegte, 
warum man Luther zum Cardinal machen zu können glaubte, 
warum der Protestantismus als bloße Verneinung ohne eigenen 
Inhalt aufgefaßt und die Möglichkeit nicht zugegeben wurde, 
daß er sich halten könne. Und deshalb bei Michelangelo, ob: 
gleich er der Lehre mit seinen Gedanken nahe kam und seine 
ganze Natur der Speculation aus diesem Gebiete zuneigte, 
keine Spur, daß er von Luther und dessen Wirken Notiz ge: 
nommen. Sogar Michelangelo7s gesunde Natur geht daraus 
hervor. Denn wo sich in Italien jetzt die religiöse Bewegung 
geltend machte, erscheint sie öfter angehaucht von etwas, das 
ich weder Sentimentalität noch Ueberspanntheit nennen möchte, 
das aber jedenfalls nicht der handfeste, bürgerliche Geist war, 
der sie in Deutschland erfüllte nnd ihr Gesundheit und langes 
Leben verlieh. 
Von drei Seiten her strömten in der Mitte der dreißiger 
Jahre die freien Ideen gegen Rom an. 
Von Venedig her, wo am freisten zu denken erlaubt war 
und wo der nächste Verkehr mit Deutschland herrschte. Hier saß 
der aus Florenz vertriebene Bruccioli und überseyte die Bibel. 
Hier auch wandte man sich an Luther und erhielt Antwort.
        

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