Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelo's
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3509978
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3513507
L1uthers 
Bibel. 
327 
genug so gedreht haben, daß, abgesehen von allen Verbesse: 
rnngen der Kirche, die Romanen den Germanen keine Zuge, 
ständnisse gemacht hätten. Clemens aber wollte das Concil 
nicht aus ganz privaten Ursa6hen: er zitterte vor dem Ges 
danken, daß dort die Frage seiner unehelichen Geburt zur 
Sprache käme. Diesen Flecken konnte er nicht von sich ab: 
waschen, hatte er auch einen florentiner Bürger, der nur daran 
zu tippen wagte, enthaupten, und durch glaubwürdige Zeugen 
beschwören lassen, daß seine Mutter mit Giuliano dei Medici 
heimlich verheirathet gewesen sei. 
Dazu kam, daß, weil Deuts6hland keinen Mittelpunkt 
hatte und nur Einzelnes verlautete von dem was vorging, 
die Bewegung von Italien aus betrachtet geringer erschien als 
sie war. Man begriff die Bedeutung der Bibelüberse1,zung 
nicht und des plöHlichen Eintretens der deutschen Sprache in 
geistigen Dingen, wo bisher nur das Lateinische gewaltet. 
Alle Stände fühlten sich in nationalem Sinne neu verbunden, 
denn Luther handhabte die Sprache mit einer Kraft und 
Schönheit, daß seine Bibel nicht blos ein gelehrtes Werk, son: 
dem wie ein Gedicht war, das überwältigend den Menschen 
in die Seele drang. Wir sind, so hoch wir diese Arbeit ver: 
ehren, heute kaum noch im Stande die Wirkung in uns selbst 
zu empfinden, die Luthers Werk bei seinem Erscheinen aus: 
übte. Heute ist die Sprache, in der es geschrieben ist, zum 
kalten theologisdhen Kanzleistyl geworden, damals war sie die 
Blüthe dessen, was in den Straßen und Häusern allen Zungen 
geläufig war.  
Wie sollte dergleichen in Rom oder von den Cardiuälen 
begriffen werden, die, wie Aerzte in ein inHcirtes Land, zu uns
        

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