Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelo's
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3509978
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3512837
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L eben 
Michelangelo7s. 
.4Fänftes 
Clapitel. 
zum Trocknen an die freie Luft stellte, glaubten die Römer, 
die vorübergingen, den Papst in Natur zu sehen nnd begrüßten 
ihn. Keinem würde das bei dem Portrait Leo des Zehnten, 
das Rafael gemalt hat, in den Sinn gekommen sein, aber man 
denke sie nebeneinander, Um zu fühlen, welches von beiden ein 
ächteres Kunstwerk sei. 
Rafael sucht das Wirkliche über sich selbst zu erheben. 
Einen Schwung und eine Grazie haben die Glieder die er 
malt und die Falten mit denen er sie umschließt, daß sich die 
edlere Ansicht, die er von der Natur hegt, sogleich zu erkennen 
giebt. Wie die Griechen bei ihren Statuen das Jndividuelle 
zum Maße einer höheren Schönheit umzubilden suchen, erkennt 
er in den Gestalten das Ideal und, ohne es auszudrängen, 
läßt er es durchschimmern. Die Venetianer dagegen halten 
fest an den irdischen Zufälligkeiten. Oft liefern diese gerade, 
was für den srappanten Eindru6k des Gemäldes am brauch: 
barsten ist. Nicht aus Liebe zur Wahrheit aber stellen sie es dar, 
wie Rafael oft gethan in seinen frühesten Arbeiten, sondern 
weil eine scharfe, schlagende Charakteristik dadurch erreichbar 
scheint. Das Auge beißt rascher an,. wie kurze Säße mit 
prägnanten Schlagwörtern auf den ersten Blick den Sinn eines 
Schriftstellers eindringlidher zu geben scheinen als eine künst: 
lerisch abgerundete Schreibweise. Rasael kann kein Antlitz 
malen ohne im Stillen einen Theil reiner Schönheit zuzusetzen. 
Er macht ein Gedic;t gleichsam darauf, aus dem die Gestalt 
uns wahr, aber erhoben entgegentritt. Bei Portraits wie bei 
historischen Bildern verfährt er so, und je länger er malt, um 
so bewußter. Betrachten wir seine Himmelfahrt Christi. Wie 
das Werk eines Dichters, der Gedanken an Gedanken reihend
        

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