Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Rafaels
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3504902
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3505909
Vasari. 
71 
Genauigkeit seiner Daten ist kein Verlaß. Er giebt falsche 
Jahreszahlen an und beschreibt Bilder zuweilen so, daß seine 
Worte nicht mit dem stimmen, was darauf zu sehen ist. Wo 
man seine Behauptungen mit sicheren Documenten vergleicht, 
findet man viel Jrrthümer; wo man die Quellen, die er be: 
nukzte, noch besiszt und nathlesen kann, gewahrt man, daß er 
fortließ oder zuseHte was ihm genehm war.  
Dennoch ist sein Buch eine verdienstvolle, unentbehrliche 
Arbeit. Er war, als er es schrieb, meistens auf sHörensagen 
angewiesen. Er kannte die Urkunden nicht,. die uns heute zu 
Gebote stehen. Ihm und seinem Jahrhundert fehlte der Sinn 
für die kritisehe Schärfe, mit der heute gearbeitet wird. Sein 
Buch ist und bleibt für den Kunstfreund ein Schatz, dessen 
Reichthum unerschöpflich scheint. Sein Styl ist klar und ge: 
drängt, seine Weltansicht eine heitere nnd vernünftige. Im 
Ganzen sind die Verdienste Vasari7s so groß, daß sie durch 
keinen Tadel aufzuwiegen wären. 
Gerade seinen tadelnswerthen Eigenschaften aber verdanken 
wir es,, daß wir über Michelangelo so gut unterrichtet sind. 
Vasari sandte sein Buch, als es fertig gedruckt war, dem 
alten Meister zu, der ihm darauf mit einem Sonette ant: 
wortete, in welchem die verbindlichsten Dinge gesagt sind. 
Eine andere Antwort jedoch, entgegengesetzten Juhalts, lag 
in dem Erscheinen der Condivischen Arbeit. Coudivi lebte. in 
seines Meisters unmittelbarer Nähe. Vasari, obgleich er es 
anders darstellen möchte, stand Michelangelo fern, dessen 
schmeichelhaste Briefe mehr dem Hofagenten als dem Künstler 
gelten. Wie fern in Wahrheit Vasari dem großen Manne 
stand, zeigt nichts so sehr als sein Buch, denn man kann sich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.