Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Rafaels
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3504902
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3505896
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Leben 
:MictJetangelo7s. 
Zweites 
Capitel. 
Zwei ziemlich umfangreiche Biographien Michelangelo7s 
besiHen wir, beide von Künstlern verfaßt, welche sich seine 
Schüler nennen, beide zu seinen Lebzeiten gedruikt. Die eine 
von Aseanio Condivi, der in seinem Hause lebte, die andere 
von Giorgio Vasari, bekannt als Maler, Architekt und Kunst: 
literat am Hofe der florentinischen .Herzöge. Von ihm erschien 
1550 ein Buch, genannt Lebensbeschreibungen der ausgezeich: 
netsten Maler, Bildhauer und Baumeister. Michelangelo,s 
Leben bildet den Schluß des dritten und letzten Theils. 
Ueber Vasari,s Charakter ist Meinungsverschiedenheit kaum 
möglich. Seine Tugenden und Fehler verstecken sich zu wenig. 
Er war Hofmaler, Hofarchitekt, Hofagent in Kunstsachen, was 
er gethan hat, that er im,Hinblick auf die Gunst seiner Herren 
und Gebieter, deren er mehrere erlebte. Von sich selbst redet 
er unbefangen, wie von einem Meister, der mit dem aller: 
ersten in einer Linie steht. Michelangelo7s und anderer Künstler 
Fehler bespricht er in einem Tone, als wolle er andeuten, 
daß er aus der Erkenntnis; dieser .Jrrthümer den nöthigen 
Nutzen gezogen und sie vermieden habe. Er lobt seine eigenen 
Werke mit einer Bescheidenheit, für die er Anerkennung zu 
finden hofft, und spricht von sich und seinem gesammten 
Wirken wie von einer höchst verehrungswürdigen dritten 
Person. Diejenigen, welche ihm opponiren oderspersönlich 
mißfallen, behandelt er ohne Umstände schlecht, etwa wie ein 
Theaterrecensent einen Schauspieler,i dem er zeigen will, daß 
er eine Macht sei, die nicht mit sich spaßen lasse. In dieser 
Beziehung erlaubt sich Vasari das Aergste.v Er hat Künstler, 
dies er nicht mochte, auf eine Weise verkeHert, daß sie mit 
Mühe wieder zu Ehren gebracht werden mußten. Auf die
        

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