Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Rafaels
Person:
Grimm, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3504902
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3506957
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Leben 
ÄUichelangelo7s. 
Wertes 
Capitel. 
darf annehmen, daß diese Arbeit, zu der er eine Reihe von 
Jahren brauchte, nicht geringer gewesen sei als seine übrigen. 
Während in Florenz die Einwirkung der Antike auf die Kunst, 
anschau1ing nicht von ersichtlicher Stärke war, sondern die 
freie Bewegung des Lebendigen, Natürlichen die Quelle blieb, 
aus der man schöpfte, gestattete Mantegna dem Styl der 
.antiken Meister auffallenden Einfluß, seszte ihrer Kraft aber 
eine so entschiedene Eigenthümlichkeit entgegen, daß auch 
hier von Nachahmung keine Rede sein kann. Seine Farben: 
gebung ist einfach, beinahe kalt, und ordnet sich durchaus 
der Zeichnung unter, diese Zeichnung aber läßt die Gestalten 
so durchdringend zur Erscheinung kommen, daß sie fast eine 
typische Gewalt empfangen. Man meint, es sei nicht m.ög: 
lich, eine Scene anders aufzufassen als er gethan. Wenn 
man vor dem vom Kreuze genommenen Christus steht, den 
wir von seiner Hand in Berlin besiHen, so scheint das Ge: 
fühl des grausamsten Todes, der dennoch eine lächelnde himm: 
lische Ruhe zurückließ, erschöpft zu sein durch die Kunst des 
Meisters und kein Gedanke bleibt übrig an andere Künstler, 
denen es besser hätte gelingen können und die noch tiefer in 
unsere Seele drängen. Mantegna ist befangen in einer ge: 
wissen Steifzheit, die erst Lionardo, und Michelangelo über: 
wanden, von denen ,beiden dann Rafael die glücklich errun: 
gene Freiheit empfing. Das aber verhindert nicht, Mantegna 
mit jenen dreien in eine Reihe zu stellen; Und so wurde 
auch von Anfang an in Italien geurtheilt.I0  
Melozzo da Forli reicht nicht an Mantegna heran in dem, 
was er leistete, in dem aber, was er leisten wollte, übertrifft 
er vielleicht alle Künstler vork.,Michelangelo. Es sind nur
        

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