Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Karl Stauffer-Bern
Person:
Brahm, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3501153
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3503848
241 
immer aufgelegt, Kunstwerke zu genießen, am wenigsten 
Abends, wo die tägliche Portion Spiritus schon beinahe auf: 
gebraucht ist. Damals wurde am Tage gespielt, am Morgen 
der Festtage und von Staatswegen. Diesen Luxus konnten 
sich die griechischen Staatskassen leisten, denn in jenen 
Zeiten war die kostspielige moderne Bühne noch nicht er: 
funden, und wenn einmal das Theater erbaut war, so 
kamen die Ausführungen jedenfalls nicht hoch. Gasrechnungen 
fielen ev ipso weg. Am Sonntag Morgen.ging man also 
dort ins Theater, wie heutzutage in die Predigt. Von 
welcher Wirkung unter solchen feierlichen Verhältnissen ein 
gutes Kunstwerk sein kann, ermesse man daraus, daß sogar 
eine protestantische Predigt mit zwei Chorälen am Sonntag 
Morgen auf eine frischgetvasahene Seele erbauend wirken 
kann. Ach, was war das für ein Volk, wo man am Sonn: 
tag Morgen,das Feierkleid anzog und hinging, um in der 
Reihe der Männer von Staatswegen statt einer Predigt 
ein Sophokleisches Drama anzuhören. Lamentiren über die 
öde Gegenwart ist gewiß banal, und ich hüte mich es zu 
thun, aber wenn ich ans alte Griechenland denke, so möchte 
ich manchmal einfach heulen. 
Jndem ich den Erleichterungsseufzer zu hören glaube 
hier am Ende der Epistel bitte ich geziemend um Verzeihung 
Cnon potevo kais di menoJ und verbleibe mit den besten 
Wünschen für Ihr und Emils Wohlergehn Ihr dankbarer, 
ergebener 
 Stauffer. 
Roma, 29. August 1889. 
Verehrteste Frau und FreundinZ 
Jch komme wieder einmal aus dem Vatican, wo its; 
seit einigen Tagen regelmäßig einige Stunden zugebracht 
Karl Stauffer:Bern. IS
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.