Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Karl Stauffer-Bern
Person:
Brahm, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3501153
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3502962
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Dogana, Spinneweben, Mauselöcher, zerbrochene Fenster: 
scheiben in meinem Studio, die Tierquälerei, das Gebrüll, 
die Carretti auf den Straßen  Herr hilfl  Oben, wo 
ich wohne, wird es immer schöner; ich sehe von den Czer: 
brochenenJ Fenstern meines Wohnzimmers auf Rom, St. 
Peter, und kleine gelbe Kletterrosen fangen an, in mein 
Studio hineinzunicken. 
Bis dato habe ich leider noch keinen Jtaliener kennen 
gelernt, denn ich kann niemanden zumuthen, geduldig mit 
mir zu radebrechen. Bin ich aber soweit, daß ich mich etwas 
verständlich machen kann, und vor allem verstehe, was die 
Leute sagen, so werde ich sehen, daß ich jemand finde, mit 
dem ich verkehren kann. Bis dahin habe ich nolens volens 
fast nur deutsch gesprochen, weil, wie ich dachte, einem hier 
auf Schritt und Tritt Bekannte begegnen, denen man sich 
nicht ganz entziehen kann. Leisten Sonntag war ich wieder 
mit Klinger in Frascati; es war wie heute ein schöner, 
leiser Frühlingstag, und wir spazirten, ohne viel zu sprechen, 
durch die Pracht dieser Villen und Nuinen. Draußen scheint 
die Sonne manchmal schon ziemlich warm, aber in meinem 
Studio ist es doch so, daß ich für das Modell, einen un: 
angenehmen Giocciaren, den ganzen Tag heizen muß, ohne 
daß etwa die Temperatur dem Menschen zu hoch würde. 
Jch komme wiederum auf mein ceterum censeo: ein guter 
großer Cooksofen ist in Jtalien für einen Kulturmenschen 
genau so notwendig wie im Norden, besonders wenn er 
Modell hat. 
Mittwoch, 4. April. Ich habe mich nun hier als 
Bildhauer installirt, immer mehr einsehend, daß es für 
mich eine Lebensfrage ist, diese Kunst zu lernen. Jch bin 
zwar schon ein alter Knabe, jedenfalls habe ich keine Zeit 
zu verlieren, aber es muss doch sein. Jch will nicht von
        

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